Author Topic: (Fern-)Beziehungen! Liebe!  (Read 2991 times)

Offline Lestaire

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(Fern-)Beziehungen! Liebe!
« on: November 12, 2013, 09:36:10 pm »
Fernbeziehungen... das wäre auch mal ein interessantes Thema über das wir schnacken könnten... :D

also gut, warum nicht :D erzählt doch mal einen heiteren Schwank aus eurem Liebesleben!

(ich lass mich später zu dem Thema aus, wenn ich vom Telefon wegkomme^^)

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Re: (Fern-)Beziehungen! Liebe!
« Reply #1 on: November 13, 2013, 02:55:04 pm »
Hm, soll ich mal anfangen?

Ich glaub ich bin das, was man als Fernbeziehungstypen bezeichnet. Irgendwie waren meine überwiegenden Beziehungen (und da kommen ja inzwischen einige zusammen, bin ja schon alt xD) alle auf Entfernungsbasis. Mal mehr, mal weniger.
Das find an mit meiner ersten großen Liebe über die kleine Distanz von 70 Kilometern, nämlich Dortmund - Bottrop. Keine wirkliche Weltreise, aber als minderjähriger Schüler ist es echt ne Strecke :D
Das setzte sich fort und so kam ich auch regelmäßig in die Nähe von Bonn, denn auch dort hatte ich zweimal jemanden. Das längste, und das wohl interessanteste, war die Fernbeziehung, die wirklich eine war, nämlich über 200 - 400km, je nach dem wo sich der Mann gerade aufgehalten hat.
Ihr kennt ihn sogar alle, das war nämlich Aenur hier aus dem Forum :D 
Über drei Jahre hat das gehalten, war aber auch nicht immer einfach. Die Entfernung ist die eine Sache, aber mit der Entfernung kommen eben auch andere Faktoren hinzu. Zum Beispiel Geld. Nicht jeder ist reich und Reisen ist teuer. Oder aber einfach der Punkt, dass man sich nicht immer sehen kann, wenn man es gerne würde oder es dem anderen gerade nicht gut geht und man gerne da wäre. Auch Vertrauen spielt eine große Rolle, finde ich. Wenn man sich nicht blind vertrauen kann, ist das Ganze schon zum Scheitern verurteilt bevor es angefangen hat.

Ich mag Fernbeziehungen eigentlich, da ich gut damit zurecht komme.
Klar, Sehnsucht ist immer ein Thema, aber man weiß ja worauf man sich einlässt, wenn man sich dazu entschliesst ^^
Ich brauche z.b auch Zeit für mich, gerade jetzt mit der Schule noch deutlich mehr, weil das einfach der Hauptinhalt meines Lebens ist. Und ich finde ein bisschen Abstand gar nicht so schlecht, als wenn man nur aufeinander hängt, was zwar mal auch schön ist, aber auf Dauer auch anstrengend werden kann.
Trotzdem hats auch eindeutige Nachteile, aber abschrecken würd mich das dennoch nicht :D

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Offline Nachtschimmer

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Re: (Fern-)Beziehungen! Liebe!
« Reply #2 on: November 13, 2013, 04:44:36 pm »
Ich hab meine Partner oft eher durch Zufall übers Internet kennengelernt und da ergab sich dann nach gewisser Zeit einfach was.
Die erste Fernbeziehung ca. 500km über 3 einhalb Jahre. Wir sahen uns in den Ferien, sonst telefonierten oder skypten wir, schrieben Briefe etc. Nach dieser Zeit zog ich in seine Stadt, lebte dort 2 Jahre und hatte insgesamt mit diesem Mann 5 gemeinsame Jahre. Aber hat dann in der Entwicklung nicht mehr so gepasst, man sucht mit 15 doch was anderes als mit 21 und man entwickelt sich halt weiter oder auseinander.

Danach hab ich meinen jetzigen Partner kennengelernt. Wir schrieben uns einen Monat sehr intensiv und sehr viel, haben uns dann verabredet, erstes Date lief 10 Stunden, mega romantisch und ungeplant und ab dem 2. Treffen war alles fix, vorher war uns aber natürlich klar, auf was das hinaus läuft. Die Fernbeziehung über 5 Fahrstunden mit dem Zug (ca. 300km) lief dann so ein bisschen mehr als ein halbes Jahr, war aber dann eher eine Wochenendbeziehung. Er arbeitete, hatte das Geld dafür, ich vor allem die Zeit als Studentin.
Dann haben wir uns eine Wohnung gesucht und sind zusammengezogen (vorher wohnte ich in den Ferien immer 2-4 Wochen am Stück bei ihm in seiner 1 Zimmer Wohnung). Diesmal aber nicht in seine Stadt, wir wollten zusammen irgendwo anfangen, da es sonst ungerecht wäre. Leipzig ist klasse, die neue Wohnung ist klase und das Zusammenleben mit ihm absolut entspannt und schön. Nur hat er relativ wenig Zeit, da er noch keine neue Arbeit in Leipzig gefunden hat und muss daher nach Halle pendeln. Daher ist er so 53 Stunden die Woche unterwegs (Arbeit+Pendeln). Aber wir meistern das eigentlich ziemlich gut, muss ich sagen. Oft gehen wir dann unseren Hobbies nach, besuchen uns aber in der WOhnung dann jede halbe Stunde, wenn wir nicht im gleichen Raum sind, aber mittlerweile sitzen wir oft im Wohnzimmer zusammen und machen dann was miteinander oder auch nicht. Würde auch nichts anders machen und denke, dass das noch ne Weile bestehend sein wird. :happy:

Offline Lestaire

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Re: (Fern-)Beziehungen! Liebe!
« Reply #3 on: November 13, 2013, 05:25:57 pm »
meine bisherigen romantischen Geschichten waren von eher weniger Erfolg gekrönt... das längste und quasi einzig ernsthafte war ne ca. 3-monatige Beziehung vor gut 2,5 jahren, bei der hinten und vorne nichts gestimmt hat (und wo ich im nachhinein rausfand, dass man mich die ganze zeit über mit ner freundin von mir betrogen hat)

Ich dachte immer, Fernbeziehungen wären nichts für mich... andererseits dachte ich auch bis vor kurzem, dass ich einsam und allein sterben werde...
*drumroll*
...und dann trat Sunny in mein Leben :happy:

kennengelernt haben wir uns im Internet (als ob das heutzutage noch was besonderes wäre...). Wir haben 3 Wochen jeden Tag geschrieben/geskyped, dann hat er mich an meinem letzten Wochenende in München besucht und seitdem rennen wir beide glücklich und verliebt rum und sind generell SO niedlich, dass alle anderen davon Karies und Diabetes kriegen :D
Es ist zwar an sich ne Fernbeziehung, aber die Strecke Leipzig - Berlin ist absolut machbar. Wir sehen uns mindestens jedes Wochenende, abendliche Überraschungsbesuche gibt es auch regelmäßig... die letzten 2 Wochen haben wir uns durch Aneinanderreihung von glücklichen Zufällen tatsächlich jeden Tag gesehen. Es fühlt sich also absolut nicht wie ne Fernbeziehung an. Und unter der Woche hab ich genau so viel Zeit für mich, wie ich brauche.
Klar wär's irgendwie schöner, den anderen immer in der Nähe haben zu können, aber man kann ja nicht alles haben... Und da ich in ihm quasi meinen Seelenverwandten gefunden habe, nehm ich das gern in Kauf :) wenn die Zeit (und das Studium) dann reif ist, werd ich, wie's aussieht, in die Hauptstadt umsiedeln^^

*Herzchen und Glitzer streu* :D

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Re: (Fern-)Beziehungen! Liebe!
« Reply #4 on: November 13, 2013, 05:35:37 pm »
Soviel Liebe aufeinmal im Forum :D
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Offline Lestaire

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Re: (Fern-)Beziehungen! Liebe!
« Reply #5 on: November 13, 2013, 06:02:07 pm »
wunderschön, nicht wahr? :D

Offline Evil_Plushie

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Re: (Fern-)Beziehungen! Liebe!
« Reply #6 on: November 18, 2013, 11:37:58 am »
Meine momentane Beziehung hat auch auch als Fernbeziehung angefangen, allerdings "nur" 200km. War auch eine Internetbekanntschaft. Gesehen haben wir uns so ca. alle zwei Wochen, wenn es denn irgendwie ging. Ich muss sagen, dass ich überhaupt kein Fernbeziehungsmensch bin. Die Distanz hat eigentlich immer nur Stress gemacht, weil man viele Dinge nicht machen konnte, wie z.B. oft zusammen weggehen, den Freundeskreis des anderen treffen etc. Außerdem bin ich ziemlich anhänglich, was die ganze Sache noch ein wenig schmerzhafter machte.

Nach meinem Abitur habe ich mich dann an meinen Wunschunis beworben. Für viele Jahre wollte ich immer nach Köln zum Studieren und ein bisschen das Stadtleben erkunden - oder nach Düsseldorf. Und nun wohne ich in einem kleinen Dorf, eine Stunde von meiner Uni in Bielefeld entfernt... :D Man soll seine Zukunftspläne ja nicht so nach der Liebe richten, aber andererseits wäre ich vermutlich ziemlich traurig und kraftlos ins Studium gegangen, wenn ich für mindestens drei weitere Jahre eine Fernbeziehung hätte führen müssen. Also bin ich dann nach ziemlich kurzen 6 Monaten Beziehung zu ihm gezogen. War vielleicht ein bisschen naiv und ein bisschen dumm, auch mein Freund war anfangs recht skeptisch, weil er mit seiner letzten Freundin, die sehr früh bei ihm eingezogen ist, keine guten Erfahrungen gemacht hat, aber ich habe zum Glück meine Chance bekommen und alles hat sich gebessert. :) Alle Ängste diesbezüglich sind weg und seit ich hier wohne, gibt es nicht mal mehr wirklich Streit. Die Zweisamkeit gibt mir sehr große Kraft für das Studieren, dem sich leider nochmal einige Steine in den Weg legten. Alleine wäre das nicht so einach für mich.

Fazit: Ich finde Fernbeziehungen für mich persönlich also doof und bin froh, dass ich sie los bin. :D

Offline Missy

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Re: (Fern-)Beziehungen! Liebe!
« Reply #7 on: December 02, 2013, 07:43:20 am »
Das ist ein wirklich interessantes Thema.

Für mich wäre es unvorstellbar, eine Fernbeziehung zu führen. Ich kann weder alleine leben noch ertrage ich WGs, das macht mich ohne Mann im Haus faktisch nicht-überlebensfähig. Wer bringt denn dann den Müll raus und repariert mein Auto?

Nein, im Ernst, ich bin damals tatsächlich direkt von meinem Elternhaus in die gemeinsame Wohnung mit meinem jetzigen Mann gezogen. Fernbeziehungen kenne ich daher nur von Freundinnen und bewundere es immer sehr, wie sie so ganz alleine ihren Alltag meistern.

Ein Leben zu zweit ist halt doch sehr viel komfortabler und einfacher, finde ich. Und ich würde meinen Mann wohl auch sehr vermissen, ich bin es halt gewohnt, dass ständig jemand da ist, man sehr viel als Paar unternimmt usw. Aber das ist vielleicht tatsächlich eher eine Gewöhnungssache.

Eine Freundin von mir, deren Mann beruflich fast ausschließlich im Ausland ist, meinte mal, man muss sich halt zwingen, vieles allein zu machen, sonst wird es frustrierend.

Die meisten von euch sind ja etwas jünger, aber ab einem gewissen Alter merkt man auch, wie sich das Umfeld verändert, viele heiraten, bekommen Kinder usw. und diese typischen Gruppen-Aktivitäten, die man in jüngeren Jahren hat, fallen mehr und mehr weg.

Da kann es, glaube ich, ganz schön traurig werden, wenn um einen herum alle Pärchen- und Familien-Aktivitäten nachgehen und man selbst nicht die Möglichkeit hat, weil der Partner so weit weg ist.
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Re: (Fern-)Beziehungen! Liebe!
« Reply #8 on: December 02, 2013, 02:40:57 pm »
Da kann es, glaube ich, ganz schön traurig werden, wenn um einen herum alle Pärchen- und Familien-Aktivitäten nachgehen und man selbst nicht die Möglichkeit hat, weil der Partner so weit weg ist.


Das ist ja selbst als single traurig. Wenn man dann in einer Beziehung lebt und der Partner weit weg ist, ist das natürlich schwer.
Aber wenn ich, als Singlefrau sehe, dass um mich herum geheiratet wird, alle Kinder bekommen und so weiter, fehlt mir zumindest ein Partner ein wenig, da ich weder heiraten noch Kinder vorhabe. Aber es zeigt einem eben auch, was man nicht hat.
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Offline Nachtschimmer

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Re: (Fern-)Beziehungen! Liebe!
« Reply #9 on: December 05, 2013, 02:25:04 pm »
Ich finde Fernbeziehungen auch nicht schön, deswegen wurde da sofort eine Wochenendbeziehung draus, plötzlich lebte man in den Ferien mehrere Monate auf 20qm und nach einem Dreivierteljahr sind wir ja dann auch zusammengezogen. Und gemeinsame Wohnung ist wirklich toll und will ich auch nicht mehr missen.

@ Missy, da bist du aber echt mutig. Da hätte ich viel zu viel Angst, dass wenn es mal in die Brüche geht, ich dann wirklich hilflos bin und ins bodenlose stürze. So nach dann 25-30 Jahren das erste Mal allein wohnen müssen oder zurück zu den Eltern.. stell ich mir echt hart vor.

Offline Missy

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Re: (Fern-)Beziehungen! Liebe!
« Reply #10 on: December 09, 2013, 08:58:47 am »
@ Missy, da bist du aber echt mutig. Da hätte ich viel zu viel Angst, dass wenn es mal in die Brüche geht, ich dann wirklich hilflos bin und ins bodenlose stürze. So nach dann 25-30 Jahren das erste Mal allein wohnen müssen oder zurück zu den Eltern.. stell ich mir echt hart vor.

Ich bin ja nun inzwischen verheiratet und plane eigentlich nicht, noch irgendwann einmal alleine zu leben. ;)
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Re: (Fern-)Beziehungen! Liebe!
« Reply #11 on: August 19, 2014, 10:45:02 am »
Ich mag Fernbeziehungen nicht. Zum einen sind sie, in rein praktischer Hinsicht, aus finanziellen Gründen schwierig. Neben der geteilten Finanzierung der Hin- und Herpendelei nämlich auch deshalb, weil eine gemeinsame Wohnung preisgünstiger und komfortabler wäre. Und in Anbetracht meines nun bevorstehenden 8. Umzugs in drei Jahren, denke ich mir wirklich nicht zum ersten Mal, dass ich mir den ganzen Mist hätte sparen können, wenn ich zum Studieren in Stuttgart geblieben wäre. In meiner bevorstehenden vorraussichtlichen - erneuten - Wohnungslosigkeit werde ich vermutlich ohnehin zukünftig 360 km am Tag pendeln, außer ich finde zufällig jemanden, der mir ein Zimmer für nur zwei Semester anbietet, was am Bodensee ungefähr so wahrscheinlich ist, wie dieses von einem unsichtbaren rosafarbenen Einhornpony angeboten zu bekommen, aber wir wollen die Hoffnung ja nicht aufgeben. So richtig viel habe ich so von meinem Studentenleben nämlich auch nicht, so gern ich meine Fachrichtung auch habe. Well, anderes, kompliziertes Thema.

Der zweite Grund ist, dass ich schlicht und ergreifend kein Fernbeziehungsmensch bin. Diese Form der Zeiteinteilung liegt mir einfach nicht, ich will sowohl die Möglichkeit haben, nach Lust und Laune etwas mit meinem Partner zu unternehmen, als auch mal das Wochenende für mich zu haben oder zu arbeiten, ohne dass man sich in der Konsequenz überhaupt nicht sieht. Der einzige Grund, warum ich bislang keinen Nebenjob habe, den ich eigentlich mehr als gut gebrauchen könnte, ist nämlich, dass ich mich an keinem meiner 'beiden (aktuellen) Wohnorte' derart sicher aufhalte, dass ich mir dort eine derartige Verpflichtung zulegen könnte.

Abgesehen davon ist es ein Unterschied, ob man eine Fernbeziehung beginnt oder eine Beziehung beginnt und dann einer wegzieht. In meinem/unseren Fall haben wir vor an die drei Jahren eine Beziehung angefangen und eigentlich auch fast die gesamte Zeit zusammen in einem WG-Zimmer gewohnt, da meine Wohnsituation entweder scheiße oder nicht vorhanden war (Umzug 2-4). Von dieser Art von Nähe hin zu einer solchen Entfernung mit Beginn meines Studiums war's schwierig. Ich habe gut drei Semester gebraucht um mich auch nur ansatzweise damit anzufreunden und kann's dennoch kaum erwarten, diesen Zustand in schätzungsweise elf Monaten zu beenden. Irgendwo mal anzukommen und ein gemeinsames Heim zu haben und mal mehr als ein Jahr nicht umzuziehen, ja, das wäre schön.
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Re: (Fern-)Beziehungen! Liebe!
« Reply #12 on: September 18, 2014, 10:20:03 pm »
Wie kommt's, dass ich diesen Thread noch nie gesehen habe? Ich habe zu dem Thema sehr auf Erfahrungswerten begründete Meinung, und alle haben so schöne Beiträge geschrieben, dass ich meine gern einreihen möchte. ♥

Ich weiß gar nicht, ob ich mit dem Beziehungsanfang, dem zeitweiligen Entfernungszustand oder dem Jetzt anfangen soll.
Wie einige hier wissen, bin ich in diesem Sommer zu meinem Freund gezogen, mit dem ich seit 2009 eine Beziehung habe, die unlängst ihr fünfjähriges Jubiläum passiert hat. In diesem Zeitraum gab es viele unterschiedliche Entwicklungen, nicht zuletzt die auf der persönlichen Ebene, auf der ich sehr lange Zeit ähnlich wie Lestaire nicht davon ausgegangen wäre, überhaupt partnerkompatibel zu sein, wenn ich darüber überhaupt nachgedacht hätte. Auch eine gewisse Zeit in die Beziehung hinein hatte ich Zweifel, einen gemeinsamen Lebensraum beleben zu können, was sich auf diversen entwicklungspsychologischen Hohlräumen in mir selbst begründete, die unter anderem genau durch diese Beziehung später zuwuchsen, weil natürlich auch ich als Individuum sowie als Hälfte eines Ganzen in der Zeit sowie unter der Einwirkung der Partnerschaft sehr viel gewachsen bin.
Auf räumlicher Ebene lebten wir 15 Minuten zu Fuß voneinander entfernt bei unseren Eltern und sahen uns annähernd täglich, bis mein Freund Mitte 2012 zwecks Berufsleben ins eine halbe Stunde mit der Bahn plus zehn Minuten Bus entfernte Bremen zog. Daraus entstand eine Übergangsphase, die für mich aus Gründen von Mittellosigkeit, Geborgenheitsverlust und blöden Lebensumständen schon recht schwierig anfing, aber gut zu bewältigen war, da ich, gerade mit dem Schulabschluss in der Tasche und einem wenig Zeit einnehmenden Galeriejob, viel Freiraum hatte. Im September 2012 zog ich dann nach Hannover, um mein Studium aufzunehmen.

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass eine Entfernung unter einer bestimmten Anzahl von Nullen nicht weniger Gültigkeit besitzt. Die Strecke zwischen Hannover und Bremen misst eineinhalb Stunden mit dem Zug, die von fünfzehn Minuten Bahn und ~zeh Minuten Bahn/Bus in der jeweiligen Stadt umsäumt wurden. Diese Distanz empfand ich als extrem zermürbend und stellte bereits nach kurzer Zeit fest, dass sie große Einschnitte in mein Leben zur Folge hatte.
Als Student verfügte ich über ein im Großteil Niedersachsens gültiges Semesterticket, zudem über ein knapp 10m² kleines Studentenwohnheimszimmer. Deswegen war ich diejenige, die die Strecke nicht nur jedes Wochenende, sondern auch während der Woche so oft es sich einrichten ließ zurücklegte. - Es scheint die Meinung zu bestehen, dass Fernbeziehungen irgendwie ein größeres Maß persönlicher Freiheiten begünstigen. Die Auswirkungen des Entferntseins, mit denen ich konfrontiert war, widersprichen dem ziemlich deutlich.
Mein Leben besteht genau genommen aus drei Faktoren (in no particular order): Studium, Beziehung, eigenes Dasein.
Mein eigenes Dasein ist natürlich eng mit den anderen beiden verknüpft, und ich muss auch sagen, dass die räumlichen Unannehmlichkeiten des Wohnheims und die emotionalen Umstände der Geborgenheitslosigkeit im Angesicht von weiteren Problemen, die sich mit der Zeit aus anderen Ursprüngen heraus hinzugesellten, mir nicht wirklich guten Nährboden gaben, um mich gut selbst entfalten zu können oder wohl zu fühlen.
Es gab Arbeiten für's Studium zu erledigen, es waren öffentliche Nah- und Regionalverkehrsstrecken zu überwinden, es waren Kraft und Zeit von Nöten, und ja, die habe ich im Endeffekt aus dem Vorrat gespeist, der unter besseren Umständen der "Zeit und Beschäftigungen für mich selbst"-Sache (Kunst aus Spaß, Hobbies, eine Gelegenheit für Zuverdienst, Freunde treffen, lesen, nachdenken, entspannt genug sein, mich auf Musik einzulassen, Filme sehen, die mich interessieren, aber niemanden sonst, ein kleines Bisschen mehr von der Welt sehen) zu Gute gekommen wäre. Diese enorme Anstrengung, die ich annähernd zwei Jahre lang aufbrachte, erzwang früher oder später notwendigerweise die Fragestellung, ob diese Unterfangen diese Art von Invesition eigentlich wert waren. Es kam da noch einiges hinzu, wie der Umstand, dass sich in nicht unerheblichem Maße psychische Leiden über mir ansammelten, die Entwicklung eines Bedürfnisses, nach einem zermürbenden Leben endlich sowohl an einem Ort als auch bei jemandem (denn mein Freund ist für mich ein wichtiger Bestandteil meines Daseins) wirklich anzukommen, und zuguterletzt die Erkenntnis, dass ich nicht das Fach studiere, mit dem ich mein Leben noch fünf weitere Semester, geschweige denn den Zeitraum meiner späteren Berufstätigkeit, verbringen möchte. Ich bin bereits mitten im vierten Semester nach Bremen gezogen und von dort aus gependelt, (was tatsächlich vieles verbessert und meine persönliche Freiheit und -zeit enorm stabilisiert hat), kann also mit Fug und Recht behaupten, intensiv genug die Möglichkeiten erprobt zu haben, ohne zu schnell zu bagatellisieren, und es ist mir auch wichtig, das getan zu haben. Ich bin auch froh um die Zeit, die ich allein gelebt habe. Auch wenn viel Scheiße drin gesteckt hat, hat sie mir auch viel gegeben, ich habe viel über mich und das Lebenbewerkstelligen gelernt und Schönes erlebt, das ich so nicht erlebt hätte, wenn ich nicht allein gelebt hätte. Aber zuguterletzt habe ich in Hannover die Fahnen gestrichen, und war unglaublich erleichtert davon, genug Bereicherndes mitzunehmen und gleichzeitig rechtzeitig ein Ende zu sehen, wie man (glaube ich) so sagt.

Fast forward to now. Ich wohne jetzt hier und bin insgesamt sehr, sehr froh darüber. Der Umzug war enorm einfach, da ich schlicht zu meinem Freund in dessen Zweizimmerwohnung gezogen bin. Wir hatten von vornherein vor, von hier aus eine Dreizimmerwohnung zu suchen, aber während ich hier nun seit 123 Tagen 'so richtig' wohne, stelle ich fest, dass für mich kein unangenehmer Druck, ein eigenes Zimmer zu brauchen, besteht. Krempelunterbringungstechnisch und für die Gelegenheit, laut seine eigene Musik zu hören, wird's schon angenehm sein (:D), eilt aber nicht. Im Vordergrund stehen gerade mein beruflicher Umorientierungsprozess, die Notwendigkeit, mir einen Job zu suchen, und meine Auseinandersetzung mit mir selbst und meinen persönlichen Plaisirchen (für die vorher kein Raum war, und in denen sich im Laufe u.a. des ursprünglichen Auszugs aus dem Elternhaus einiges manifestiert hat).

Dieser Text handelt inzwischen unangenehm viel von meinem Studium und unangenehm wenig vom Beziehungs-Sein, von den Unterschieden zwischen Alleinleben und Zusammenleben, von der elementaren Wichtigkeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen, aber von der Schönheit, neben jemandem einzuschlafen und aufzuwachen und davon, wie auch das elementar werden kann und und auch darf. Irgendwo steckt da auch eine Idee von Schwäche drin, nicht allein einschlafen zu können, mehr den Boden zu verlieren, wenn man nicht vom anderen aufgefangen wird, eine Ahnung von Bedürftigkeit, vielleicht, und auch etwas Veraltetes, für sich selbst auch ein Stückchen Selbstsinn darin zu finden, für den anderen Auffangschüssel zu sein, und so weiter, aber davon soll das hier ja nicht handeln. Für die andere Variante gibt es genau so viele Randgedanken, und alle haben so eine Art Beigeschmack, aber wenn man's genau nimmt, sind das doch einfach Klischees, die man nicht zu bagatellisieren braucht, Bedürfnisse, die man schuldlos annehmen kann und nicht zu bewerten braucht. Das habe ich zumindest für mich selbst festgestellt, als jemand, der in einem gewissen Konfliktverhältnis zu Abhängigkeitsgedanken steht, doch gleichermaßen Eins-Sein und Zwei-Sein benötigt, um zu existieren; wie vielleicht jeder von uns. :happy: 

Liebe! So viel Liebe!
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der user über mir malt gerne bilder von kätzchen die kuscheln