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Author Topic: Berufe !?  (Read 25516 times)

Offline Sh|va

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Re: Berufe !?
« Reply #30 on: July 29, 2012, 08:17:04 pm »
Mein Bruder hat mit mir zeitgleich ein berufsbegleitendes Studium angefangen (er macht das also privat), in irgendeinem Pädagogikbereich ... da sind die meisten nicht mehr soooo jung. Er hat mit 36 angefangen und ist 42 wenn er fertig ist ^^ Zum Lernen ist man eben nie zu alt :D

Offline Gast

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Re: Berufe!?
« Reply #31 on: July 31, 2012, 08:36:22 pm »
So, dann will ich mich auch mal melden. Leider muss ich wohl auch etwas mehr schreiben, da bei mir die Rente wohl näher als das Abitur ist. ;D

Ich werde ausnahmsweise auch nicht weiter Zitate zerpflücken, sondern mal meinen Werdegang, inklusive Wertung oder Anmerkungen, darstellen.

Einzige Kritik: Metaphor, du plenkst (und das auch noch im Titel). Ich zähle dich desto trotz zu den wenigen „Asylum(t)anten“, die die deutsche Sprache noch weitgehend beherrschen und pflegen.

Nun zum Thema: Beruf und Berufung sind oft zwei paar Schuhe. Meist ist es doch die Zwickmühle, die einem die Wahl lässt zwischen einem erfüllendem Beruf, der einen nicht ernähren kann, und einer Hassliebe (oder zumindest Vernunftehe), die einem zumindest ein Auskommen sichert.

Für mich gehört aber nicht nur der Beruf an sich hierher, sondern auch der Weg bis ins Berufsleben.
Fange ich mal an, ein paar Etappen meiner Entwicklung zu beleuchten und aus heutiger Sicht zu bewerten.

Die frühe Jugend: Ja, Bildung, Prägung, Erziehung etc. fängt mit Sicherheit schon sehr zeitig statt. Als Kind der Fünfziger Jahre und als Scheidungskind war ich der Herr im Hause. Mütterlicherseits bekam ich insbesondere die Liebe zur deutschen Sprache in die Wiege gelegt, auch wenn ich dies erst sehr viel später so gesehen habe. Mein Vater, solange ich Kontakt hatte, hat mich als Bildjournalist den Unterschied zwischen Knipsen und Fotografie gelehrt. Wenn es nach meinem Vater gegangen wäre, so wäre etwas Richtiges aus mir geworden, also Arzt oder so. Aber mich hatten schon frühzeitig die technischen Dinge mehr interessiert.

Die ersten Schuljahre: Neben Metallbaukästen interessierten mich insbesondere alle elektrischen Sachen. Dabei war ich vorwiegend nach der Methode „Versuch und Irrtum“ (trial and error) vorgegangen, denn meine Mutter konnte mir da wenig helfen. Das waren dann schon mal irrsinnige Experimente. So hatte ich einmal herausgefunden, dass eine Spielzeugklingel, die für den Betrieb an einer Flachbatterie (4,5 V) ausgelegt war, an 16 V (vom Eisenbahntrafo) wesentlich lauter klingelte. Wie laut musste sie dann erst an 220 V klingeln? Gesagt, getan … Nun, es wahr eher ein lauter Knall (zumindest, bis die Sicherung kam).
Irgendwann klingelte der Zufall, der künftig meinen Berufswunsch still und heimlich lenken sollte, an der Wohnungstüre. Es war mein Werklehrer, der im gleichen Hause wohnte. Er hätte da einen Detektorempfänger und einen Kopfhörer – wenn ich Interesse hätte, sein Sohn braucht das nicht mehr. Ich habs genommen und mit der Zeit kamen noch Telegrafenrelais und andere Dinge dazu. Doch der erste Blick in den Detektor warf Fragen auf: Wie funktioniert das, kann man was verbessern etc.? Anfang der 60er Jahre konnte ich noch nicht mein Smartphone zücken und schnell mal im Internet nachsehen. Fragen? Da hatte ja kaum jemand wirklich Ahnung. Also ab in die Bibliothek. Obwohl die Kataloge noch auf kleinen Karteikärtchen basierten, war die Bibliothek bald mein zweiter Wohnort. Da Elektronik zu jener Zeit ein sehr teures Hobby war (ein einzelner Transistor kam schon mal mehr als 25 DDR Mark; heute käme er 4 Cent), besorgte ich mir vom Schrottplatz alte Göbbelsschnauzen und machte aus zwei defekten Geräten ein funktionierendes. Bei meinen Basteleien im etwas feuchten Keller an Geräten, die mit rund 250 Volt betrieben wurden und oft keine galvanische Trennung hatten, lernte ich auch schnell die physiologische Wirkung des elektrischen Stromes kennen. Auch, dass ein guter Kondensator stundenlang elektrische Ladungen speichern kann erfuhr ich so, lange bevor mir das der Physiklehrer erklärte. An der Schule gab es zwar auch mal eine AG Elektronik, aber nach drei Nachmittagen Bauelemente sortieren habe ich mich wieder meiner autodidaktischen Weiterbildung zugewandt.
Egal wie, die Elektrotechnik/Elektronik hatte mich gepackt, auch wenn wein Wissen noch immer sehr rudimentär war.

Die Zeit am Gymnasium: Eigentlich nannte sich das EOS (Erweiterte Oberschule), ist aber egal. Genau genommen waren die Klassen 9 und 10 ja (nur) Vorbereitungsklassen zur EOS (ohne Berufsausbildung). Und wieder war es ein Lehrer, der mich entscheidend bezüglich meiner fachlichen Berufsrichtung lenken sollte. Nur diesmal war es mein Physik- und Mathelehrer, der nebenher noch eine AG Elektronik leitete. Er machte uns gleich klar, dass wir in der AG keine Hobbyelektronik basteln werden, keine Verstärker etc., sondern richtige Industrieelektronik machen. Und das war ein Glückstreffer. Wir bauten richtige Messtechnik für die Industrie, z.B. Trübungsmessgeräte mit Durch- und Streulichtmessung inklusive drehzahlgereglter Antriebe für die Rührwerke; Auftraggeber Wasserwirtschaft Dresden. Wir bekamen die neuesten Bauelemente (Operationsverstärker, Thyristoren) und lernten wirklich was, auch handwerklich. Und bei den unangenehmen Arbeiten war halt jeder mal dran (schon mal rund 600 Löcher in ein PVC-Gehäuse gebohrt inkl. Anreißen, Körnen und Entgraten?). Und in der AG liefen zu jener Zeit (Ende der sechziger Jahre) schon lange Versuche zur Spracherkennung.
Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit war für mich der Unterschied zwischen einem Bastler, bei dem die Schaltung irgendwie funktionieren muss und einem Entwickler, der eine Schaltung abliefert, die unter definierten Bedingungen zuverlässig funktioniert. Jetzt wusste ich auch, in welche Richtung mein Studium gehen sollte. Allerdings war ich zu jener Zeit noch mehr von der Unterhaltungselektronik geprägt, denn neben der AG baute ich natürlich Verstärker und alles mögliche elektronische Zubehör für die Gitarre und Band meines Kumpels.

Zwischenstopp: Da auch schon zu meiner Zeit Studienplätze nicht vom Himmel fielen, war ich in einer Zwickmühle: Lehrerberuf (nein, das wollte ich nicht wirklich) oder 3 Jahre Armee oder warten, warten, warten, alt werden …
Also habe ich die 3 Jahre investiert und habe so wenigsten Fallschirmspringen gelernt. Dank der Elektronik kam ich mit dem Spieß gut zurecht (er wollte eine ordentliche Lichtorgel …) und hatte mit ein paar Mitstreitern einen eigenen Bastelraum unterm Dach – mit Codeschloß, damit man uns nicht stört.

Studium: Leider war in meiner gewünschten Fachrichtung (Akustische Systeme) an der TU Dresden schon alles „ausverkauft“. Alternativangebot war „Technische Kybernetik und Automatisierungstechnik“; klang von den Inhalten ähnlich gut und so entschied sich mein Bauch dafür. Aus heutiger Sicht die bessere Wahl.
Zu der Zeit (aber nicht an der TU) künftige Frau kennengelernt, die an der Sektion Chemie studierte. Bis zum Ende des Studiums folgten noch Heirat, eigene Wohnung (Schwarzbezug) und erste Tochter.

Erster Job: Anfang der Achtziger hatte ich dann mein Diplom in der Tasche und als Elektronikentwickler einen Job im Elektromaschinenbau (einen Steinwurf von meiner ehemaligen Schule entfernt …). Auch hier ein Glückstreffer. Arbeitsbedingungen und ein Team, wie ich es nicht wieder vorgefunden habe.  Mit Arbeitsbedingungen meine ich damit nicht die Tischtennisplatte im Büro etc., sondern die Eigenverantwortlichkeit, mit der man seine Ideen ausleben konnte, man durfte auch mal Fehler machen, es gab keine Postenkämpfe, man stand sich gegenseitig mit seinen Erfahrungen zur Seite.   
In der Zeit habe ich nicht nur etliche Entwicklungstehmen erfolgreich zu Ende geführt, sondern bin auch in  die aufkommende PC-Technik (286er PC mit zwei Monitoren, Grafiktablett, Plotter etc.) und in die Assemblerprogrammierung weiter eingestiegen. Daneben habe ich den Messebetrieb (auch von der Vorbereitung her) kennen gelernt.

Zweiter Job: Eigentlich ging es mir sehr gut, aber irgendwann erfuhr ich durch meine Frau, dass da im Dresdner Westen ein neues Werk aufgebaut wird, ein Leiterplattenwerk. Das Besondere daran: Modernste Technik aus dem Westen (noch gab es die DDR)!
Das war mal eine Herausforderung, also beworben und Job bekommen. Aufbau und Leitung der MSR-Instandhaltung. Ich bin zu einer Zeit eingestiegen, als die ersten verpackten Maschinen noch im Rohbau auf ihre Aufstellung warteten. Soviel, wie in dieser Zeit des Aufbaus des Werkes und der Inbetriebnahme der Anlagen, konnte ich nie wieder so direkt lernen. Schulungen in der Fuba (Technologiegeber) und bei Firmen, wie z.B. Schmoll, machten schon Spaß. Wir hatten Technik aus aller Welt, ob aus Israel, den USA oder der Schweiz (wobei der Schweizer Projektleiter nur mal meinte: „Von einem Schweizer kauft man nix, was größer als eine Taschenuhr ist.“).
Dann kam die Wende und irgendwann wurde das Werk „optimiert“. In meinem Falle hieß das Outsourcing. Das Angebot Manager zu werden bei ABB Fläkt Service (dort war auch der Pförtner Manager) habe ich dann abgelehnt.

Pause: Jetzt war mal knapp ein halbes Jahr Pause dran. Neuorientierung war angesagt. In der Zeit musste ich auch lernen, dass es einem nicht viel nützt, wenn man von 350 Bewerbern unter die letzten zwei kommt, jedenfalls nicht, wenn man aus der Runde nur als Zweiter rauskommt. Und ich bin Geschäftsführern begegnet, die so jung und unerfahren waren, dass ich das Bewerbungsgespräch geführt habe – einer muss ja die Fragen stellen.

Dritter Job: Mit etwas Glück hatte ich dann einen Job im Vertrieb gefunden. War auch etwas Glück dabei, da ich mich mal mit FORTH (eine Programmiersprache) beschäftigt hatte und der GF selbst dazu ein Buch veröffentlicht hatte (was ich vorher nicht wusste).
In jener Zeit kamen Internet und CD-Brenner auf – völlig neue Wege, auch im Vertrieb. So habe ich nicht nur Außendienst gemacht und auch wieder Messen betreut, sondern habe auch die erste Homepage der Firma aufgebaut und Katalog-CDs erstellt. Irgendwann kündigte ein Kollege, der bis dahin den Firmen-Server (Novell Netware 3.12) betreute. Also bekam ich den auch noch aufgedrückt, nachdem ich eine Kurzeinweisung von zwei Stunden hatte …
Dann war da noch die Handelsvertretung für eine Firma aus Oberfranken und und und … Jedenfalls habe ich mich dann mit meinem Chef überworfen und mein Büro innerhalb weniger Stunden übergeben. Der Job war Klasse aber der Chef war …

Kleine Pause: Genau genommen nur eine Bewerbung abgeschickt. Ausgeschrieben war eine Stelle für die Betreuung eines Lernzentrums (eLearning). Als ich bei meinem zweiten Gespräch, ich war in die engere Auswahl gekommen, meinem künftigen Chef so schilderte, was ich schon alles so gemacht habe, fing er an, Fragen zu stellen, die nicht so recht zum Lernzentrum passten. Da kamen tiefere Fragen zur EDV und PC-Technik, zum Internet usf. und irgendwann ließ er die Katze aus dem Sack, dass auch noch ein Ausbilder für den IT-Bereich gesucht würde.
Gep-o-kert habe ich bei der Frage, ob ich auch Linux unterrichten könnte; zu der Zeit hatte ich selbst kaum Ahnung und gerade mal mit einer Zeitschriften-CD (SuSe) reingeschnuppert. Nach meiner Rückfrage, wann ich anfangen könnte (ich brauchte ja etwas Zeit, um mich minimal in Linux einzuarbeiten), habe ich großkotzig gezockt, dass dies kein Problem sei.

Vierter Job: Also ab jetzt Ausbilder im IT-Bereich im Berufsförderungswerk. Da ich schon früher oft Schulungen gemacht habe, war das kein Problem für mich. Irgendwann wurde ein Ausbilder in der Elektronik gesucht, da kam mir meine Vergangenheit zu Gute und nun bin ich bis heute Ausbilder bei den Elektronikern. Irgendwann habe ich mich dann noch von der IHK Dresden als Prüfer berufen lassen.

Und jetzt mal ein fetter Strich und ein Resümee!

Elternhaus: Sicher ist es hilfreich, wenn man durch das Elternhaus intellektuell und finanziell in seinem Bildungs- und Erprobungsdrang gefördert wird/werden kann. War am Ende für mich nicht nachteilig, im Gegenteil, man lernt früher auf eigenen Beinen zu stehen und selbst klar zu kommen.
 
Schule: Im Vergleich zu heute stehe ich immer noch zum Bildungs- und Schulsystem der DDR. Damit meine ich nicht die ideologische Ausrichtung, sondern solche Dinge wie:
einheitliche Schülbücher und einen einheitlichen Bildungsplan im ganzen Lande. Wenn man in eine andere Stadt gezogen ist, dann war man vielleicht ein paar Wochen voraus oder hinterher; aber das war es schon. Wechselt man heute das Bundesland, dann steht man schnell mal vor einem gänzlich anders gegliederten Schulsystem – dem Förderlismus sei Dank!
Schulbücher, die nicht nur bunt und hipp sind, sondern die man auch gebrauchen kann.
Der späte Wechsel an die EOS (Gymnasium) hat mir nicht geschadet. Ehrlich gesagt hätte ich in der vierten Klasse (bei uns beginnt das Gymnasium mit der 5. Klasse) eh noch nicht gewusst, was ich später mal so richtig will (also Beruf erlernen oder Studium). Heute verkommt das Gymnasium immer mehr zu einer regulären guten Ausbildung mit besseren Chancen, mal einen Beruf zu erlernen. Hinzu kommt noch das Ego einiger Eltern, dass ihre Kinder unbedingt aufs Gymnasium müssen (und dann dort verrecken, weil sie weder Bock drauf haben noch die Voraussetzungen mitbringen).
Eigenartigerweise haben wir unser Abi in 12 Jahren geschafft ohne nun den ganzen Tag nur gestresst für die Schule zu lernen. Wir haben aber in der ersten Klasse auch gleich voll angefangen und nicht, wie in einigen Bundesländern heute, 1 Jahr mit einer besseren Spielschule verschenkt. Und dann gab es noch Fächer, wie UTP und ESP; da hat man frühzeitig in Betriebe geschnuppert und in der Regel auch praktisch eine Menge gelernt.
Meinen Stundenplan an der EOS kann man in der Wikipedia nachlesen (9./10. Klasse B-Zweig, 11./12. Klasse nach dem Plan ab 1971).

Studium: Warum Zeit verschwenden, wenn man gleich loslegen kann. Ob man die richtige Richtung gewählt hat und was man daraus später im Job machen kann, erfährt man eh erst später. Außerdem nagelt eine Studienrichtung einen ja auch nicht gleich auf bestimmte Tätigkeiten fest; allerdings sollte man auch nicht gerade Architektur studieren, wenn man mal Arzt werden will.
Auch beim Studium bin ich heute froh, dies zu DDR-Zeiten absolviert zu haben. 9 Semester inklusive Industriepraktikum und Diplomarbeit – Diplomverteidung – fertig (ja, da waren noch ein paar Prüfungen mehr …). Ausreichend Plätze im Hörsaal, kein Kampf um bestimmte Kurse, die wie heute, manchmal in Sekunden Online ausgebucht sind und ähnliche Studienbehinderungen. Man kam mit seinem Stip auch irgendwie über die Runden, auch wenn man nicht nebenher gejobbt hat (Mieten, Verkehrsmittel, Strom etc. waren ja sehr preiswert).

Ich würde auch heute das Studium, so ich die Wahl hätte, nicht auf die lange Bank schieben. Sicher ist etwas persönliche Reife (wir Jungs haben die bei der Armee verpasst bekommen) und Lebenserfahrung nicht schlecht. Von 10 bis 20 Jahren Selbstfindungsprozess in Form von Weltreisen, Praktika etc. halte ich jedoch nicht viel. Dann lieber gleich einen reichen Partner heiraten. Lernen fällt mit zunehmenden Alter auch nicht unbedingt leichter, dazulernen (im Beruf) ist nicht so belastend.
Lieber erst mal einen Beruf erlernen oder ein Studium machen und sich dann im Beruf weiter entwickeln. Auch wenn man nicht gleich den Traumjob erwischt. Ist wie mit dem Kinder anschaffen: Mit 50 muss dann damit auch nicht mehr anfangen.

Rückblickend bin ich, vergleichend mit den Erfahrungen meiner vier Kinder, sehr froh, dass ich meine gesamte Ausbildung noch zu DDR-Zeiten gemacht habe. Alles, was ich mir nach dem Studium an Wissen und Fähigkeiten angeeignet habe, konnte ich ohne Schulbankdrücken packen.

Und heute? Mein Beruf als Ausbilder macht mich (zumindest hier im Osten) nicht reich. Ich kann aber mein gesamtes Wissen und meine Erfahrungen aus meinen vorangegangenen Tätigkeiten einbringen und vermitteln. Ich habe, im Rahmen der Ausbildungspläne, freien Gestaltungsraum. Da wir dual ausbilden mache ich Theorie und Praxis. Ich habe eine enorme fachliche Breite, in der ich mich betätigen kann, da verkalkt man nicht.

Am Ende ist es aber das Erfolgserlebnis, wenn man nach zwei Jahren Ausbildung rund 70% der Teilnehmer in eine ordentliche Anstellung entlassen kann. Und manchmal, wenn ich ehemalige Azubis mal treffe (meist auf einem Konzert im Schlachthof oder auf dem Darkstorm in CH), blicke ich schon neidvoll auf deren Entwicklung. Einige machen noch ihren Techniker, andere erzählen stolz, dass sie  durch ihre Firma ihren Führerschein machen konnten etc. Andere sind Fertigungsleiter geworden. Und solange ich auch nach Jahren noch mit Handschlag begrüßt werde, kann ich ja nicht soooooooooo viel falsch gemacht haben.

Und als Prüfer der IHK Dresden habe ich auch einen guten Überblick, wie unsere Leute, im Vergleich zu anderen Ausbildungseinrichtungen, abschneiden. Obwohl wir eine auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung haben (davon gehen noch ein paar Monate für das Praktikum ab), schneiden unsere Leute in der Regel deutlich besser ab. Dann macht die Arbeit auch Spaß.
Apropos Prüfer. Es ist schon schön, wenn man an der Bushaltestelle morgens fröhlich von den Leuten gegrüßt wird, die man noch ein paar Tage zuvor persönlich geprüft hat; gerade in der praktischen Prüfung merken viele erst, dass wir Prüfer nicht Feind sondern Partner sind. Zumindest ist das bei uns so.

Klar, auch bei uns gibt es viele Dinge in der Firma, die IMHO im Argen liegen. Das sind aber Sachen, die mit meiner eigentlichen Tätigkeit nichts zu tun haben, sondern mehr das Betriebsklima betreffen. Mit Ende 50 muss man aber auch abwägen, wohin die Reise gehen soll. Andere finden schon mit Mitte 40 keinen neuen Job. Und von meiner geliebten Heimat (Dresden) mag ich mich auch nicht so recht trennen.

Snip! Eigentlich wollte ich noch mehr schreiben, aber es ist wohl besser, wenn ihr Fragen stellt oder den einen oder anderen Punkt in der Diskussion aufnehmt.
Sind schon mehr als 15.000 Zeichen (ohne Leerzeichen …).


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Offline Evil_Plushie

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Re: Berufe !?
« Reply #32 on: July 31, 2012, 08:57:56 pm »
Auch wenn ich vom Mittelteil die Hälfte nicht verstanden habe, war es ganz schön interessant, mal was von jemandem zu lesen, der schon länger im Berufsleben steckt. Finde es vor allem witzig, wie du herausgefunden hast, in welche Richtung du gehen möchtest...Dass man sich hobbytechnisch so intensiv mit solchen Dingen beschäftigt und offenbar echt fasziniert davon ist, höre ich von Gleichaltrigen eher selten. Musste übrigens grade erst mal Google fragen, was der Unterschied zwischen einem Elektroniker und einem Elektriker ist...Mein Opa ist nämlich Elektriker. :D

Wenn ich an die Zukunft denke, möchte ich mich ja eher unter der Bettdecke verstecken. Ich habe so viele Stunden damit verbracht, herauszufinden, was ich später machen könnte/wollte und trotzdem bin ich bei wenigen Dingen hängen geblieben. Irgendwann habe ich mir ja die wahnsinnige Idee in den Kopf gesetzt, Psychologie studieren zu wollen. Den Schnitt werde ich wohl nicht schaffen, aber aufgeben möchte ich die Vorstellung trotzdem nicht. Eine Ausbildung kommt für mich ganz und gar nicht in die Tüte... Habe die letzten Tage damit zugebracht, mich über Härtefallanträge zu informieren. Man muss ja nutzen, was man kriegen kann. :@

Offline Gast

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Re: Berufe !?
« Reply #33 on: July 31, 2012, 09:38:39 pm »
Auch wenn ich vom Mittelteil die Hälfte nicht verstanden habe,
Ich auch nicht ...  ;)

Quote
Musste übrigens grade erst mal Google fragen, was der Unterschied zwischen einem Elektroniker und einem Elektriker ist...Mein Opa ist nämlich Elektriker. :D

Ich habe ja auch schon mit mehreren kA zu tun gehabt und in der fuba Dresden hab ich auch schon mal 20 kV geschalten und die VDE 100 (Opa fragen) gehört sowieso zum Lehrplan. Aber bei den kleinen Spannungen fühle ich mich mehr zu Hause.

Quote
Irgendwann habe ich mir ja die wahnsinnige Idee in den Kopf gesetzt, Psychologie studieren zu wollen. Den Schnitt werde ich wohl nicht schaffen, aber aufgeben möchte ich die Vorstellung trotzdem nicht. Eine Ausbildung kommt für mich ganz und gar nicht in die Tüte... Habe die letzten Tage damit zugebracht, mich über Härtefallanträge zu informieren. Man muss ja nutzen, was man kriegen kann. :@

Warum wahnsinnig? Zumindest hast du doch eine Idee, die dich fasziniert. Und das ist doch schon mal was. Ob dein Ziel realistisch ist, ist erst mal eine andere Sache und kann ich nicht beurteilen. Da sagt weder ein Schnitt was aus, noch kann da eine Härtfallregelung helfen. Ich erinnere mich immer noch an unsere Klassenbeste an der EOS. 12. Klasse, Abi mit 1,0. Dann Studium angefangen und nach wenigen Wochen Totalcrash: Fürs Abi konnte sie noch auswendig lernen - beim Studium war der Speicher voll. Und so wurde sie dann Sekretärin.
Da ich dich (fast) nicht kenne, kann ich deine Situation nicht beurteilen. Können uns ja auch per PM unterhalten.
 


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Offline Rayk

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Re: Berufe !?
« Reply #34 on: August 01, 2012, 12:15:12 am »
Wie nebenan erwähnt, bin ich ein armer Student. Naja. So arm bin ich nicht, habe von früher (Kauflandarbeit, Zivi) noch immer gut was übrig und halte mich jetzt ungefähr auf einem Level. Bekomme kein Bafög, da meine Eltern "zu viel" verdienen, also kriege ich ungefähr den gleichen Betrag von meinem Vater und halt mein Kindergeld. Dazu verdiene ich mir an der Uni noch was als studentische Hilfskraft. 8,56€ / Stunde, 10 Stunden / Woche, so war's dieses Semester. Hoffe, dass ich nächstes Semester 15 Stunden / Woche kriege. Dafür muss ich dann regelmäßig die Übungsserien der Erst- und Zweitsemester korrigieren und am Ende Prüfungsaufsicht machen und dann auch noch die Prüfungen kontrollieren/bewerten. Achso... ich studiere mittlerweile Informatik. Vorher ein Jahr Veterinärmedizin, war aber nicht der Brüller. Wenn ich jetzt nicht noch mehr Zeit verschwende, hab' ich in einem Jahr meinen Bachelor. Mal schauen.

Offline Flaxen Millicent

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Re: Berufe !?
« Reply #35 on: August 02, 2012, 09:28:11 pm »
@Poppie: Richtig so!! :-)

@metaphor: Das dachte ich mir auch sehr oft... Reie und Lebenserfahrung hat auch schon was ;-)


Offline veritas

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Re: Berufe !?
« Reply #36 on: August 17, 2012, 11:09:04 pm »
Tja, dann mache ich auch mal mit.
Fangen wir mal mit den Kindheits-Berufswünschen an: Ärztin. Mit fünf Arztkoffern war da schon einmal ein guter Grundstein gelegt.
Dann Autorin - wohl dank Astrid-Lindgren-Büchern.
Zwischen 13 und 15: Tänzerin. Ich habe dann auch tatsächlich jeden Tag trainiert und mich auf einer Profi-Schule beworben, hatte aber natürlich null professionelle Unterstützung und sicher auch nicht den Körper, die optimale Vorbereitung und das Talent. Wie auch immer, ich habe bei der Bewerbung festgestellt, dass Ballett mit deutlich mehr Drill verbunden ist als ich dachte, und daher war mir es ganz recht, dass ich nicht aufgenommen wurde.

Ernsthafte Berufswünsche nach dem Abitur: Kulturkritikerin. Ich habe dann begonnen, Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Philosophie und Psychologie zu studieren. Kunstgeschichte war eigentlich auch noch ein Plan, aber man warnte mich davor, dass nur im Nebenfach zu machen. Nebenbei habe ich anfangs für eine Zeitung geschrieben, sah allerdings keine Möglichkeit, in die Kultur reinzukommen (vermutlich war ich zu jung?!).

Psychologie habe ich zuerst rausgeschmissen, da es recht naturwissenschaftlich ausgerichtet war und kaum Bezug zu meinen anderen Fächern hatte. Eigentlich liebäugelte ich mit Kunstgeschichte, habe aber erst einmal Philosophie weiterstudiert (vermutlich auch, weil es mein Vater und mein Freund toller fanden......). Da ich aber für die Zeitung Ausstellungen rezensiert hatte und mir das Spaß machte, wechselte ich zu Kunstgeschichte. Habe bei Praktika dann noch in die Verlagswelt und Arbeit als Lektorin und in die Welt der Kunstmuseen reingeschnuppert.

Mit etwas mehr Wissen kam ich dann aber tatsächlich in den Kulturteil (Gebiete: Kunst, Literatur, Tanz, Kabarett, Theater). Da es bekanntlich wenig Volontariate und Redaktionsstellen gibt, wollte ich mich selbstständig machen. Ich sah auch Vorteile darin, weil ich keine Lust hatte, zu organisieren und Aufträge zu vergeben, sondern schreiben wollte. Außerdem war ich auch nicht so belastbar: 50, 60 Stunden und mehr sind bei mir nicht drin, das ist aber im Journalismus die Realität.
 
Nach dem Studium habe ich angefangen, Literaturspaziergänge zu führen und habe mich auf ein Praktikum bei einer weiteren größeren Zeitung beworben, für die ich dann weiter schrieb. Dann kam noch freie Mitarbeit bei einem Stadtmagazin dazu. (Kurzfristig habe ich auch noch für eine Agentur Internettexte geschrieben).
Tja, und nun bin ich also frei und verdiene wirklich nicht gerade viel, aber Journalismus finde ich einfach sinnvoll, man muss sich nicht verstellen, und ich kann mich auf diese Weise weiter mit meinen Interessen beschäftigen. 

Eigentlich sollte ich mich noch um weitere Auftraggeber bemühen, aber leider bin ich im Augenblick nicht sonderlich gesund. Neben Emilies Krankheit kamen jetzt noch Neuro-Probleme dazu.
Wie mir aufgefallen ist, scheint es hier mehrere zu geben, die nicht hundertprozentig fit sind, aber wohl ganz gut damit zurechtkommen?

Offline Schneewittchen

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Re: Berufe !?
« Reply #37 on: January 03, 2013, 08:51:26 pm »
Die meisten finanzieren sich das Ganze mit Bafög... Einige kommen tatsächlich damit aus, allerdings musst du dafür wirklich arm wie eine Kirchenmaus sein[...]
Ich habe in der Hinsicht gewissermaßen Glück - mit dem Höchstsatz Bafög (Randnotiz: es ist amüsant, dass ich mehr als das Doppelte von dem, was ich im letzten Jahr mit der 40+x-Stunden-Woche im Praktikum verdient habe, für's bloße Studieren bekomme) lässt es sich hier doch recht anständig leben.
In Bundesländern mit Studiengebühren (ohnehin der größte Schwachsinn) stelle ich mir das allerdings recht schwierig vor.

Seit diesem Semester studiere ich Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften an der Universität Konstanz. Mein Studiengang ist in der Form einmalig, weil ich das Ganze nicht wirklich mit einem "und" dazwischen im Nebenfach studiere, sondern als einen einzigen interdisziplinären Studiengang mit drei Fachrichtungen.
Die ersten beiden Semester sind Grundstudium, danach werden in verschiedenen Seminaren Schwerpunkte gesetzt, Regelstudienzeit sind 6 Semester.
Was man dann damit macht, kommt ganz darauf an, in welche Richtung man gehen möchte. Ein paar Beispiele und weitere Informationen sind in diesem hübschen Video  zu finden, dass uns beim Eignungstest gezeigt wurde.

Davor habe ich eine Spielzeit lang (Sept.-Juli) ein Praktikum im Bereich Üffentlichkeitsarbeit an einem kleineren Theater in Stuttgart gemacht, da ich mir in meiner Studienwahl noch nicht sicher war. Das war zwar an sich eine schöne Sache, aber strapazierte dummerweise meine finanziellen Ressourcen sehr. Nichtsdestotrotz hat es mich persönlich sehr weitergebracht,und ich bin froh, nicht gleich nach dem Abitur mit dem Studium angefangen zu haben (vielen meiner Kommilitoninen - mehr als 90% der Studierenden sind weiblich - merkt man deutlich an, dass sie eben noch auf der Schulbank saßen).

In beiden Fällen hatte ich keinen Plan B - weder habe ich mich für einen anderen Studienplatz beworben, noch hatte ich nach meinem gescheiterten Versuch, eine FSJK-Stelle zu finden, eine Alternative für den einzigen verblieben Praktikumsplatz im Theaterbereich auf der Seite des Arbeitsamtes - und so langsam habe ich wirklich das Gefühl: man kommt schon dahin, wo man hin soll. Und wenn's wie ein Zufall aussieht.
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Offline Metaphor

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Re: Berufe !?
« Reply #38 on: January 05, 2013, 05:46:07 pm »
Die meisten finanzieren sich das Ganze mit Bafög... Einige kommen tatsächlich damit aus, allerdings musst du dafür wirklich arm wie eine Kirchenmaus sein[...]
Ich habe in der Hinsicht gewissermaßen Glück - mit dem Höchstsatz Bafög (Randnotiz: es ist amüsant, dass ich mehr als das Doppelte von dem, was ich im letzten Jahr mit der 40+x-Stunden-Woche im Praktikum verdient habe, für's bloße Studieren bekomme) lässt es sich hier doch recht anständig leben.
In Bundesländern mit Studiengebühren (ohnehin der größte Schwachsinn) stelle ich mir das allerdings recht schwierig vor.

*Seufz*. Wie die meisten hier wissen, studiere ich in Niedersachsen. Da jetzt sogar Bayern darüber nachdenkt, die Studiengebühren abzuschaffen, befinde ich mich also in der letzten Hochburg unsozialer Bildungserweiterungsvoraussetzungen der Nation.

Das Semester kostet mich 320,45 € Semesterbeitrag + 500 € Studiengebühr.
Weil meine Eltern mir sehr reale 0 € finanzielle Unterstützung leisten können, bekomme ich 590€ BAföG+184€ Kindergeld;
dazu nutze ich den kfw-Studienbeitrags-Sonstwas-Kredit, der mir genau den Betrag der Studiengebühr stellt.
Jetzt, da mir das BAföG ausgezahlt wird, werde ich mir mal genauer ansehen, ob ich den Kredit vielleicht loswerden kann...
aber obwohl der BAföG-Satz zur Zeit deutlich den Betrag an Geld, den ich zum Decken der Kosten für meine Lebensverhältnisse benötige, übersteigt (vermutlich bis ich irgendwann umziehe), komme ich allein damit unter bestehenden Studiengebühren vermutlich nicht über die Runden. Auch, weil sich (auch aus den von veritas erwähnten gesundheitlichen Gründen) die Frage von Nebenjobs für mich nicht wirklich stellt.
Die Regelstudienzeit meines Studiums beträgt 8 Semester.

Allein die Studiengebühren wiegen also 4.000 €. Plus die 50% des BAföGs, was also... 295 € pro Monat mal 6 mal 8 sein müssten?
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Offline Tom

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Re: Berufe !?
« Reply #39 on: January 05, 2013, 07:24:26 pm »
@metaphor: Eine kleine Verbesserung deiner Rechnung:
"Wer erstmals im März 2001 (oder später) ein Studium aufgenommen hat, muss maximal 10.000 Euro zurückzahlen."
Also sind es schon mal 4160 € weniger.  :)
Bei einer Inflation von zur Zeit etwa 2 % schrumpft ein zinsloses Darlehen zudem real.  ;)

Es gibt auch noch die Möglichkeit als studentische Hilfskraft etwas dazu zu verdienen, wenn man eine passende Stelle findet, deren zeitlicher Aufwand vertretbar ist.

Offline Metaphor

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Re: Berufe !?
« Reply #40 on: January 09, 2013, 11:41:06 pm »
@Tom: Ich hatte auch ganz vergessen, dass ich SIEBEN EURO MEHR pro Monat bekomme. :melodramatic:

Na so'n Glück. o.o Ich weiß ehrlich gesagt aus dem Kopf gar nicht, wie hoch ("niedrig") die Zinsen für das Studiengebühren-Dings sind. Hoffentlich entscheiden sich die Wahlen nächste Woche in diese Richtung positiv ... Übrigens ist mein mir zugewiesener Wahlraum das Altenzentrum! :jest:

Im Design-und-Medien-Abteil sieht die Arbeit gesuchter Studentischer Hilfskräfte offenbar zumeist Expertise in Mediendesign vor. oò Das, und/oder sie zielt auf höhere Semester ab. Hmm. Naja, die zusätzliche Zeit _und_ Kraft habe ich aber (mindestens zur Zeit) eh nicht. ôo
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Offline Luna

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Re: Berufe !?
« Reply #41 on: September 30, 2013, 10:15:21 am »
Ich weiß ja nicht genau, wie du lebst, aber wenn ich mir mal deine Fakten anschaue

Quote
Das Semester kostet mich 320,45 € Semesterbeitrag + 500 € Studiengebühr.
Weil meine Eltern mir sehr reale 0 € finanzielle Unterstützung leisten können, bekomme ich 590€ BAföG+184€ Kindergeld;

heißt das für mich:
590 € BAföG + 184€ Kindergeld pro Monat
= 774€ monatlich

= 4644€ pro Semester (6 Monate) - Semestergebühren und Studiengebühgren ,werden ja nur 1x pro Smeester fällig heißt

4644€
- 500€ Studiengebühr
- 320,45€ Semestergebühr

= 3823,55€ für ein Semester /6 Monate

= 637,26€ monatlich zur freien Verfügung für Miete, Essen, etc...

Ich find das verdammt viel für nen Studenten. Und auch wenn man die Semestergebühren und Studiengebühren im Voraus zahlen muss - man sollte bis zu seinem Studienbeginn im Vorfeld ja vllt. auch etwas Geld angespart haben, so dass man das Geld einmalig vorstrecken kann und dann kann man ja jeden Monat entsprechend viel zur Seite legen, um sich das nächste Semester zu leisten..

Ich habe zu Studienzeiten von genau 380 Euro (von meinen Eltern gesponsort - auf BAföG hatte ich einen Anspruch von 0,00€) gelebt - wovon 180 Euro für die Miete drauf gegangen sind (Studentenwohnheim - 16qm mit nem Waschbecken - der Rest auf dem Flur) - ergo hatte ich letztlich nur noch 200€ monatlich zum überleben und das ging trotz Konzerte und abends mal weggehen immer irgendwie... Zum Ende des Studium hatte ich dann noch nen Hiwi-Job für 50€ Euro zusätzlich im Monat und hab in den Semesterferien halt immer irgendwas gejobbt...

Daher muss ich ehrlich zugeben, dass ich deine Probleme nicht ganz nachvollziehen kann. Ich denke, man muss während des Studiums auch mit Einschränkungen leben können...

Offline Schneewittchen

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Re: Berufe !?
« Reply #42 on: September 30, 2013, 12:57:29 pm »
... wovon 180 Euro für die Miete drauf gegangen sind (Studentenwohnheim - 16qm mit nem Waschbecken - der Rest auf dem Flur) ...

Ich weiß ja nicht, wo und wann genau du studiert hast, aber an da fängt's schon an. Ich habe beispielsweise 300 Euro für mein 12 qm Wohnheimzimmer gezahlt. Jetzt schaue ich mir gerade WGs an und bei deinen 16 qm geht da unter 360 Euro so gut wie nichts. Viele Zimmerangebote liegen sogar im 400-500 Euro Bereich.
Ich kenne auch kaum jemanden in ganz BaWü der unter 300 Euro Miete zahlt - und auch überhaupt in Deutschland exakt eine Person, die ca. 200 Euro zahlt und ein Zimmer hat, das größer als ein Wandschrank ist. Die wohnt aber auch in Dresden und Sachsen ist in finanzieller Hinsicht im Vergleich zu Restdeutschland ein gewaltiger Unterschied. Wenn du mit 200 Euro gut hingekommen bist, Hut ab. Aber es hat eben jeder andere Studienorte, Lebensumstände und Ausgabefaktoren.
« Last Edit: September 30, 2013, 01:10:26 pm by Schneewittchen »
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Offline Luna

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Re: Berufe !?
« Reply #43 on: September 30, 2013, 01:35:54 pm »
Metaphor studiert ja meines Wissens nach in Hannover..
Die Seite des Studenterwerks (http://www.studentenwerk-hannover.de/wohnhaeuser.html) dort sagt mir, dass die günstigsten Wohnheimzimmer bei 167 € losgehen...  Von daher zählt das Argument schon mal nicht.. Klar hat man dann ggf. nur ein kleines Zimmer und muss sich Küche, Bad und so mit 20 anderen teilen - aber mal ehrlich - entweder man hat reiche Eltern, geht nebenher jobben oder man beißt mal für die paar Jahre des Studiums die Zähne zusammen und zieht das durch.
Dann kann man halt nicht in ner schicken und hippen WG wohnen sondern muss die Ansprüche (und nicht nur an die Untekrunft) etwas runterschrauben. Ich hab zu Studienzeiten fast ausschließlich Leitungswasser getrunken und jeden Tag in der Mensa gegessen, weils günstig war... Abendbrot fiel oft genug aus oder bestand aus Stulle mit Brot... Das geht alles - man muss nur wollen...


Offline Tom

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Re: Berufe !?
« Reply #44 on: September 30, 2013, 03:29:39 pm »
Wohnungssuche kann schon durchaus frustrierend sein.
Da die Mieten in den Städten übermäßig steigen, es mehr Studenten und in NRW zudem noch einen doppelten Abiturjahrgang gibt, werden in Köln schon "Notschlafstellen" eingerichtet.  :eek:
Quote from: http://www.kstw.de/index.php#BM641
Der AStA der Uni Köln richtet vom 7. bis 28. Oktober im ehemaligen Tanzraum des Studentenwohnheims in der Hahnenstraße 9 in Hürth-Efferen ein „Notquartier“ ein. In dem ca. 50 qm großen Raum liegen 15 Matratzen – Schlafsäcke müssen mitgebracht werden. Ab dem 1. Oktober können sich „Notschläfer“ auf der Seite http://www.asta.uni-koeln.de/ für 7 Nächte anmelden.