Author Topic: Rechtsfragen - oder wo gehts beim WGT nach rechts?  (Read 4716 times)

Offline Gast

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Rechtsfragen - oder wo gehts beim WGT nach rechts?
« on: May 06, 2012, 03:45:36 pm »
Ich mach das jetzt mal hier auf, den Content schiebe ich gleich nach. imsuffering tritt ja schon von einem Bein aufs andere. Mensch, ich habe auch ein Wochenende ...
<komme gleich wieder....>

"Du kannst nicht neutral bleiben, Teresa." (Brecht, Die Gewehre der Frau Carrar)

Da das Thema ja nicht ganz zu ignorieren ist, wie man wieder mal im WGT 2012 Thread lesen konnte, und Shiver ein Problem mit Nestbeschmutzern hat, wollen wir ihr die Reinheit ihres Threads gönnen.

Wem es aber nicht scheißegal ist, ob sich dunkelbraun unter schwarz zu vermischen sucht und noch eine eigenen Meinung hat, der kann es ja hier diskutieren. Zumal das Thema ja nicht nur das WGT betrifft.
Missys Aussage von 2010 will ich ihr hier mal heute nicht mehr zur Last oder auf die Goldwaage legen, könnte ja sein, dass sie noch etwas gereift ist (obwohl das keine Frage des Alters ist).
Ich halte es jedoch für reichlich naiv zu glauben, dass solch ein Festival inkl. der Künstler, Veranstalter, Besucher etc. als vollkommen unpolitisch einzustufen ist. Wir haben das Glück, dass das WGT nicht als ein Treffen der entarteten Künstler eingestuft wird und die Stasi uns nicht mit IMs in Foren, Clubs etc. unterwandert.

Genauso wenig will ich aber, dass sich irgendwelche rechtsradikale Gruppierungen oder Parteien in ein solch wundervolles, weltoffenes und friedliches Treffen einbringen. Im Gegenteil. Das WGT, hat über all die Jahre gezeigt, dass ein friedliches Festival ungeachtet der Nationalität oder der musikalischen Richtung möglich ist; und dass dies auch im Einklang mit der bunten Gesellschaft klappt. Gut, die Leipziger waren es ja schon von der Leipziger Messe her gewohnt ... und sie sind auch heute noch liebe Gastgeber.

Doch wie weit soll diese Toleranz und Offenheit gehen? Wollen wir irgendwann auch die Bands der rechten Szene, Stände mit der aktuellen Thor Steinar Kollektion etc. auf dem WGT hören und sehen? Natürlich kann man sich mit dem Argument zurückziehen, dass man ja nicht hingehen oder kaufen muss.

Insofern halte ich die von ASP gestellte Frage vom WGT 2009 immer noch für aktuell. Als Gastgeber sollte man schon Klarheit über die gewünschten Gäste schaffen und auch Grenzen kennen. Und da war die Verwendung der Schwarzen Sonne als Symbol schon mehr als fragwürdig. Übrigens muss man nicht auf den Orkus verweisen - ASP hat die Korrespondenz immer noch auf seiner alten Seite:
Statement zum WGT. Und mir ist bis heute nicht klar, wie man auf der einen Seite Symbole mit angeblich historischen Bezügen wählt und dabei wohlfeil die Verwendung in der Nazi-Ära und heute durch Neonazis übersieht. Wenn so was passiert, weil man den Auftrag zur Gestaltung vergeben hat und zu spät merkt, dass man mit den falschen Partnern zusammen gearbeitet hat, dann sollte es auch kein Problem sein, dies zu kommunizieren - und zwar als Unternehmen! Und wer ASP kennt, der weiß, dass er bestimmt ein so weiches Herz hat, dass er jedem verzeiht, der mal Scheiße gebaut hat, aber auch dazu steht.

Und nun die Frage, wie damit umgehen? Ich halte es für Schwachsinn, das WGT aus diesem Grunde als Besucher zu boykottieren - das trifft die falschen, abgesehen davon, dass dies wohl nur eine unbedeutende Masse tun würde. Ich halte es aber für überaus wichtig, dass prominente Künstler, wie in diesem Falle ASP, deutlich machen, dass auch das WGT kein Unterschlupf für rechtsgerichtete Gesinnung ist. Ja, wir (und auch ich) wollen Spaß, wollen unbeschwert ein paar schöne Tage auf dem WGT verbringen. Und da möchte ich keineswegs die Leute involvieren, die mir irgendwann vorhalten, dass ich entartet bin und "entsorgt" gehöre.

Wie Rechte mit alternativ lebenden Menschen umgehen? Bitte hier entlang! Überfall auf ein alternatives Wohnprojekt - Praxis Dresden. Ich war übrigens zwei Minuten vorher genau an dieser Stelle - das mit dem Überfall habe ich wenige Minuten später erfahren. Aber seit diesem Moment ist es mir erst recht nicht egal, welche Position jemand einnimmt.

Respektieren wir trotzdem den Wunsch derer, die sich nicht positionieren wollen, die keinen Arsch in der Hose haben, die sich dem Fatalismus ergeben (also eine Art geistiger F(l)atulenz) oder einfach das Glück gehabt haben, bisher noch keinen Pflasterstein von irgendwelchen Unlinken zwischen die Zähne platziert bekommen zu haben, weil man etwas "anders" ist (solche Momente können sehr schnell dafür sorgen, dass einzelne Personen Haltung beziehen).

P.S: Und ich halte es an dieser Stelle auch für kontraproduktiv, wenn hier (gerundet) ca. 2 Personen ihren ganzen (begrenzten) Wortschatz aus der rechtsextremen Szene, gleichwohl ob nun aus dem täglichen Gebrauch oder nur angelesen aus öffentlichen Quellen, um sich werfen. Wer eine (eigene) Meinung hat, der sollte sie auch im Klartext kund tun. Wer dies nicht kann oder will, sollte einfach mal die Fr... halten - ähm, einfach weiter gehen und sich einen schönen Tag machen.

Einen schönen (bei mir verregneten) Restsonntag
« Last Edit: May 06, 2012, 06:19:55 pm by Gast »


„Nur wenige Menschen sind klug genug, hilfreichen Tadel nichtssagendem Lob vorzuziehen.“
François de La Rochefoucauld

Offline Rayk

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Re: Rechtsfragen - oder wo gehts beim WGT nach rechts?
« Reply #1 on: May 07, 2012, 01:35:07 pm »
Ich habe mich nie als unpolitisch bezeichnet. Bin's auch nicht - und habe ein ähnliches Bild von "unpolitischen" Leuten wie Du. Wirst mich regelmäßig auf Anti-Nazi-Demos antreffen. Und trotzdem ging ich im letzten Jahr mal wieder mit Eintrittskarte auf das Nazi-Festival namens WGT. Das Leben ist schön und ich bleibe dabei: Bloß weil jemand ein Nazi ist, ist er nicht automatisch schlimmer als bestimmte Nicht-Nazis. Aber wenn irgendwo "Nazi" drauf steht, schreien sofort alle und müssen was tun. Bei viel gravierenden Problemen, die kein so eindeutiges Label haben, wird sich fein raus gehalten. Wollte ich konsequent boykottieren, was mir in irgendeiner Weise gegen den Strich geht, müsste ich allein im Wald leben. Ich gehe auch auf Festivals, die von Fleischessern ausgerichtet werden und auf denen aktiv tote Tiere verkauft werden. (Sie zeigen ihre Einstellung nicht nur, sie leben sie sogar aus. So, als gäbe es auf dem WGT einen Juden-Prügel-Stand.) Dadurch, dass ich hingehe, sponsore ich das Festival und damit auch indirekt den Verkauf von toten Tieren. Finde ich persönlich viel schlimmer, als ein paar Typen mit asozialer politischer Attitüde Geld zu geben. Vielleicht spenden sie 'nen Teil davon an die NPD. Vielleicht, und das halte ich für viel wahrscheinlicher, leben sie aber auch einfach von dem, was sie da verdienen, und das ausgegebene Geld hat in der Hinsicht keine negativen Auswirkungen. Bleibt, dass man ein gewisses Maß an Toleranz gegenüber Nazis zeigt, wenn man nicht deutlich zeigt, dass einem derartige Symbolik und Musikerauswahl missfällt. Das ist zweifelsohne problematisch, aber eben beim besten Willen für mich nicht so problematisch, wie der Leichenteilverkauf. Was letztlich bleibt: Wenn ich mich in dieser Welt bewege, zeige ich deutlich, was mir missfällt. Teilweise auch durch Boykott, den kann ich aber kaum konsequent durchziehen, sehe also nicht, warum ich ausgerechnet das WGT zum absoluten No-Go erklären sollte.

Dazu ein Zitat von Adorno: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen."

Offline Aenur

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Re: Rechtsfragen - oder wo gehts beim WGT nach rechts?
« Reply #2 on: June 03, 2012, 09:03:34 pm »
Jetzt ernsthaft? Immernoch wegen der Obsorgekarte von '09?
WSHTF Situation für den Veranstalter und man hat eben beschlossen dass es weniger peinlich ist die Rübe einzuziehen und nichts zu sagen, als zuzugeben, dass man zu blöd war um sich den Entwurf des Grafikbüros nochmal anzusehen. Gehört für mich in eine Kategorie mit EON Werbung "Wir sorgen für das Gas von morgen" 
[ http://blog.hagga.net/images/eon_gas.jpg ].
Sollte nicht passieren, aber wenn es geschieht muss man nciht gleich nach Scheiterhaufen brüllen.

Oh...und wenn sich beim WGT tatsächlich vermehrt braunes Volk zeigt: Ganz tolle Idee es als Band dann zu boykottieren. Sich drüber aufregen dass sich da unerwünschtes Volk vermeintlich einschleicht und dann dazu aufrufen ihnen auch noch den Platz zu räumen? Vllt sollte sich gerade dann ASP dahin stellen und sein Cover von "Sage Nein!" zu trällern.
Im Zweifelsfall p = ü

Offline Gast

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Re: Rechtsfragen - oder wo gehts beim WGT nach rechts?
« Reply #3 on: June 04, 2012, 06:45:44 pm »
Jetzt ernsthaft? Immernoch wegen der Obsorgekarte von '09?

Ehe hier noch mehr Bullshit geschrieben wird: ASP hat damals aus gegebenen Anlass seine Meinung zu dem Thema der Schwarzen Sonne kundgetan und eine Entscheidung für sich und sein Projekt getroffen. Er hatte klargestellt, von wem er eine Klarstellung/Erklärung erwartet hat(te). Dies war und ist ausgeblieben - fertig. Man muss eine solch konsequente und absolute Entscheidung ja nicht teilen. Aber an seiner Entscheidungsgrundlage, warum er nicht mehr für das WGT zur Verfügung steht, hat sich bis heute nichts geändert.

Im Übrigen kramt nicht ASP das Thema alljährlich wieder hervor oder jammert rum (zumindest habe ich dazu Nichts mehr gefunden), sondern es finden sich Jahr für Jahr, meist im Vorfeld des WGT, ein paar Heulsusen und Jammerlappen, die das Thema immer wieder rauskramen. Warum sollte ASP heute eine andere Entscheidung fällen, wenn sich an der Basis seiner Entscheidung Nichts geändert hat?

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WSHTF Situation für den Veranstalter und man hat eben beschlossen dass es weniger peinlich ist die Rübe einzuziehen und nichts zu sagen, als zuzugeben, dass man zu blöd war um sich den Entwurf des Grafikbüros nochmal anzusehen. Gehört für mich in eine Kategorie mit EON Werbung "Wir sorgen für das Gas von morgen" 
[ http://blog.hagga.net/images/eon_gas.jpg ].
Sollte nicht passieren, aber wenn es geschieht muss man nciht gleich nach Scheiterhaufen brüllen.

Wie sich gezeigt hat, war es eben der Veranstalter, der keinen Arsch in der Hose hatte (oder war es doch ein brauner A.??) einfach zu sagen: "Uns ist das im ganzen Trubel untergegangen, war "outgesourced" und als wir es bemerkten halt zu spät. Bla, bla usf.".
So wie ich ASP kennengelernt habe, wäre er wohl das letzte Weichei, dass dann nicht verzeihen könnte. Aber ASP hat auch eine klare politische Haltung, aus der er nie ein Hehl gemacht hat. Wenn andere (hier der Veranstalter) keine Position beziehen (wollen), dann ist das deren Sache. Warum also dies Jahr für Jahr ASP unter die Nase reiben?

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Oh...und wenn sich beim WGT tatsächlich vermehrt braunes Volk zeigt: Ganz tolle Idee es als Band dann zu boykottieren. Sich drüber aufregen dass sich da unerwünschtes Volk vermeintlich einschleicht und dann dazu aufrufen ihnen auch noch den Platz zu räumen? Vllt sollte sich gerade dann ASP dahin stellen und sein Cover von "Sage Nein!" zu trällern.

Wer verlangt, das WGT zu boykottieren?

Mal ein anderes Beispiel (weil so schön "unpolitisch"), auch damit die vegane Selbsthilfegruppe wieder etwas Zündstoff hat und nicht einschläft:

Morrissey hatte vor ein paar Jahren ein geplantes Konzert in Dresden abgesagt, nachdem er erfahren hatte, dass der Veranstaltungsort «Alter Schlachthof» in grauer Urzeit mal ein "richtiger" Schlachthof war. Ist halt seine persönliche Entscheidung, die ich ja deswegen auch nicht teilen muss und auch für bekloppt halten kann. Aber ich würde deswegen nun auch nicht auf die Idee kommen, das Thema bei jeder Tour in den Vordergrund zu spielen und neu zu diskutieren.

EOT.


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Offline Aenur

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Re: Rechtsfragen - oder wo gehts beim WGT nach rechts?
« Reply #4 on: June 04, 2012, 11:03:13 pm »
@Gast: Sry war vllt missverständlich. Mit "nicht schon wieder" bezog ich mich keinesfalls auf ASP sondern auf die hier entstandene Diskussion. Einige kommentare sind derart  dass man denken könnte dass es sich um was Brandaktuelles Handelt und nicht immernoch um die sau blöde Aktion von 2009.
Meine Kritik ging keinesfalls an ASP und ihr Statement von damals, sondern zielte darauf dass es wohl Jahr für Jahr immer wieder ausgebuddelt wird (und damit ist nicht ASP gemeint)

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    Oh...und wenn sich beim WGT tatsächlich vermehrt braunes Volk zeigt: Ganz tolle Idee es als Band dann zu boykottieren. Sich drüber aufregen dass sich da unerwünschtes Volk vermeintlich einschleicht und dann dazu aufrufen ihnen auch noch den Platz zu räumen? Vllt sollte sich gerade dann ASP dahin stellen und sein Cover von "Sage Nein!" zu trällern.


Wer verlangt, das WGT zu boykottieren?

Imsuffering hatte so etwas in den Raum geworfen, dass man so eine Veranstaltung als Band meiden sollte.
Wenn ASP gesagt hat dass sie für das WGT nicht zur Verfügung stellen bis es da eine klarstellung gab ist das deren Sache.
Trotzdem Respekt an alle Künstler die genau dort hin gehen wo der braune Sumpf am tiefsten ist und dort "Nein!" sagen.

Edit: Also wolte ich im wesentlichen sagen was du auch im zweiten Absatz sagst.
Edit2: Off topic aber ich will es gerade wissen: Jemand hatte hier mal einen gezeichneten Kurzfilm gepostet der mit ASPs "Sage Nein!" Version hinterlegt war...ich finde es nicht mehr, kann mir da jemand weiter helfen?
« Last Edit: June 04, 2012, 11:13:18 pm by Aenur »
Im Zweifelsfall p = ü

Offline Gast

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Re: Rechtsfragen - oder wo gehts beim WGT nach rechts?
« Reply #5 on: June 05, 2012, 08:24:32 pm »
@Gast: Sry war vllt missverständlich. ...

Du musst dich nicht entschuldigen, selbst wenn wir unterschiedlicher Meinung wären. Ich denke, das Thema ASP und WGT kann man abhaken und dass seine Aktion erfreulicherweise eine (dauerhafte) Wirkung in den Hirnen hinterlassen hat, sieht man ja jedes Jahr. Kann eigentlich nicht besser laufen.  :lol:

Meintest du dieses Video?


Quelle für das Filmmaterial ist übrigens:


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Offline Poppie

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Re: Rechtsfragen - oder wo gehts beim WGT nach rechts?
« Reply #6 on: July 27, 2012, 07:28:52 pm »
Schwarzes Glück ist doch bekannt :D
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