Author Topic: "Anti-Alkoholiker sind Weicheier" ?  (Read 14014 times)

Offline Evil_Plushie

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Re: "Anti-Alkoholiker sind Weicheier" ?
« Reply #45 on: July 26, 2012, 12:56:45 am »
Alkoholkonsum als Streitpunkt?

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Offline Schneewittchen

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Re: "Anti-Alkoholiker sind Weicheier" ?
« Reply #46 on: July 26, 2012, 09:48:23 am »
Ich habe gerade, angeregt, durch den Artikel (so schlecht ich ihn auch finde ...), den plushie auf FB geteilt hat, ein wenig über die Gründe nachgedacht, die dazu führen, dass Nicht-Trinkende als "Spaßbremsen" wahrgenommen werden. Oder anders gesagt: Warum würde ich eine Cola nehmen, wenn meine Begleitung ein nicht-alkoholisches Getränk bestellt?

Den meisten Leuten, die nicht jeden Tag trinken, geht es wohl so wie mir - mir persönlich macht allein trinken keine Freude, in guter Gesellschaft hingegen ist das was anderes. Und gerade weil ich im sozialen Kontext Alkohol konsumiere, wäre es für mich befremdlich, zu trinken, während mein Gegenüber völlig nüchtern ist. Ich könnte es nicht genießen, und ohne Genuss ist es für mich wertlos.
Es wird, wohl von den meisten, als unangenehm empfunden, sich gewissenmaßen auf einem anderen Bewusstseinslevel zu befinden (anderes Beispiel: ich finde es ebenso nicht angenehm, mich mit Betrunkenen zu beschäftigen, während ich nur leicht angeheitert oder nüchtern bin), während das Gegenüber in klar bzw. trunken ist. Im Fall des Trinkenden ist man viel befangener, statt lockerer, was für gewöhnlich nicht  Sinn der Sache ist. Daheim, wo man selbst das Getränkeangebot festlegt, ist eine Zusammenkunft von Abstinenzlern und Trinkfreudigen nicht so problematisch, aber gerade in Clubs wird man sich in dieser Hinsicht wohl in seiner Ausgelassenheit eingeschränkt sehen, weil man sich als Trinkender, der ausgelassen Feiern will, von den "vernünftigen, kontrollierten"beobachtet fühlt.
Ich will damit gar nicht sagen, dass man nüchtern keinen Spaß hat, nur, dass es angenehmer ist, wenn entweder alle trinken, oder keiner. Für beide Seiten. Und, im extremeren, wenn die Hauptbeschäftigung des Abends das trinken ist, weil man das Gefühl hat, den Abend sonst vergeudet zu haben, wie es bei so einigen Menschen der Fall ist, ist es einfach nicht schön, wenn du plötzlich jemanden dabei hast, der an seiner Cola nippt und nüchtern zusieht, während du gut angeheitert mit dem Hintern wackelst.

Das Problem zwischen Trinkenden und Nicht-Trinkenden ist in Alkoholfragen meiner Meinung nach, dass sich der trinkende Teil vom anderen durch deren Abstinenz in seiner Ausgelassenheit eingeschränkt fühlt, und sich der nüchterne Part ab einem gewissen Pegel (und ich rede nicht mal vom Übergeben, Lallen etc.) möglicherweise ausgegrenzt gefühlt, bzw. einfach keinen Spaß mehr am Rest der Gemeinschaft hat. Inwiefern das für den Einzelnen ein Problem ist, hängt davon ab, wie wichtig einem der Alkoholkonsum für einen gelungenen Abend ist.
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Offline Evil_Plushie

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Re: "Anti-Alkoholiker sind Weicheier" ?
« Reply #47 on: July 26, 2012, 12:43:20 pm »
Der Artikel ist ziemlich schlecht, ja, weil auf beiden Seiten nur Extremfälle befragt werden, die sich möglichst provokant geben. Daher hatte ich das Bedürfnis, mich dazu zu äußern. Für mich ist das ein ganz einfaches Thema, bei dem ich Diskussionen nicht wirklich nachvollziehen kann.


Sollte es wirklich so sein, wie Schneewittchen es beschrieben hat, wird es wohl problematischer. Ich habe kaum darüber nachgedacht, dass ich andere einschränke, weil ich kein alkoholisches Getränk bestelle. Für mich war das immer so gewöhnlich, ich trinke meine Cola, die anderen 90% der Gruppe Alkohol. Ausgegrenzt fühle ich mich dadurch nicht. Dass ich nicht gern in Clubs gehe, hat andere Gründe. Dadurch, dass man mich also so gut wie nie in einer Disco findet, habe ich auch selten bis nie mit diesem 'Problem' zu tun, das für mich irgendwie keines ist. In einer etwas größeren Gruppe fühlt sich, so schätze ich, wohl niemand von einem einzigen Nichttrinker in irgendeiner Art und Weise eingeschränkt. Und ich kenne es nicht anders, bin es also auch gewohnt.

An Geburtstagen oder sonstigen privaten Gelegenheiten fällt es, wie Schneewittchen schon sagte, noch weniger auf. Da gibt es außer mir schließlich noch die Autofahrer.  :P

Je kleiner die Gruppe wird, desto kritischer wird es natürlich. Bei 3 Leuten, von denen zwei trinken, wäre es nachvollziehbar, dass der Nichttrinker (wahrscheinlich mehr oder weniger freiwillig) später allein am Tisch sitzt, weil man sich gegenseitig auf die Nerven geht. In eine solche Situation werde ich allerdings nie geraten, weil keiner meiner Freunde auf die Idee kommen würde, in einer solch kleinen Gruppe ein Besäufnis anzuzetteln. Erst recht nicht, wenn man mich vorher eingeladen hat. Es gibt Abende, die man ohne mich verbringt, weil es eben nichts für mich wäre und es gibt Abende, die man vielleicht lieber mit mir verbringt, weil ich keine Action fordere und da halt ziemlich unkompliziert bin. Das ist völlig in Ordnung so, benachteiligt habe ich mich dort nie gefühlt. Was genau an diesem oder jenem Abend passieren wird, ist grundsätzlich im Vorhinein klar. Glücklicherweise gibt es unter meinen Freunden wenige Hardcore-Trinker, das vereinfacht die Sache natürlich.

Jaaa, das Ganze hat wohl keinen roten Faden, worauf ich hinaus wollte: Ich bin mir sicher, niemanden einzuschränken, andersrum fühle ich mich unter Trinkenden nicht ausgegrenzt.

Offline Sh|va

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Re: "Anti-Alkoholiker sind Weicheier" ?
« Reply #48 on: August 25, 2012, 02:24:28 pm »
Ich will auch mal meinen Senf dazu beitragen. Ja ich denke Schneewittchen hat das Problem ganz gut dargestellt. Allerdings finde ich es absolut traurig (ja und schon fast bemitleidenswert), dass es anscheinend Menschen gibt, die nur Spass haben können, wenn sie sich betrinken.
Ich für meinen Teil kann genauso mitblödeln, wenn ich nüchtern unter betrunkenen bin. Ich trinke auch gerne mal was, ja sicher. Ich besaufe mich aber eher weniger und schon gar nicht in der Disco oder einem Club ... einfach weil ich auch gerne weiß was ich tue. Jetzt könnte jemand sagen "Jaja, der Kontrolleur" ... ja, ein bisschen. Ich bin einfach ein Mensch, der seine Umwelt gerne wahrnimmt. Auch wenn ich etwas unüberlegt tue (im Zuge von Kontrollverlust), WEIß ich aber bitte gerne davon. Ich bin also absolut kein Fan von Filmrissen, absolut nicht.
Was ich aber auch nicht leiden kann sind, wie in dem Artikel angesprochen "Das Kranke ist, dass jemand wie ich seine Entscheidung, keinen Alkohol zu trinken, begründen muss.".

Ich meine, warum kann derjenige nicht einfach akzeptieren, wenn ich nichts trinken möchte ... andersherum tue ich es doch auch und frage nicht "Oh, hast du so eine schlimme Kindheit gehabt, dass du dir alle Erinnerungen daran wegsaufen musst?" oder "Bist du so unzufrieden mit dir, dass du deine Komplexe ertränken musst." ... oder "Bist du im normalen Leben so verklemmt, dass du den Kontrollverlust brauchst um überhaupt mal ein bisschen Spaß zu haben?"

Nein, tue ich nicht und deshalb nerven mich solche Fragen dann wirklich.

Ich trinke Alkohol wenn ICH das möchte und in der Menge in der ICH das möchte. Generell gehört aber einfach ein starker Charakter dazu, zu seiner Entscheidung zu stehen.

Wenn jemand trink, hat das seine Gründe ... wenn jemand es nicht tut, ebenso
und das sollte man untereinander respektieren und dann funktioniert auch der gemeinsame Abend, niemand muss sich ausgegrenzt oder eingeengt fühlen.

Offline Aura7

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Re: "Anti-Alkoholiker sind Weicheier" ?
« Reply #49 on: August 25, 2012, 06:09:52 pm »
Ich find Alkoholiker (oder gern Alkohol trinkende Menschen) mittlerweile echt bemitleidenswert  :meh:. Also die, die wirklich gar nicht mehr ohne können. Durfte ch ja im letzten Jahr mehr als genügend kennen lernen.

Der Streitpunkt ist doch lächerlich. Wenn man als Nicht-Drogenkonsumierender-oder-alkoholtrinkender-Mensch rechtfertigen muss, warum man Alkohol nicht trinkt... Unsere Gesellschaft ist einfach nur noch schlimm.
 
Gleich ums Eck ist gerade Bierprobe, seit 2h (vor 1/2 h hats aufgemacht) Menschenmassen ohne Ende, weil es ne Mass umsonst gibt. Klar, es gibt was umsonst, aber wenn es nicht Bier wäre, würd sich auch keiner so lange anstellen.

Ab 1 Uhr Früh Discobesuche (oder allgemein Furtgeh) absolut assozialer Zugang, der ohne Alkohol wirklich nicht mehr ertragbar ist (bei den meisten Studentenpartys schon ab 22.00!).

Nachher der Geburtstag einer Freundin, bei dem es nur darum geht, wer am meisten saufen kann, ich denke, ich werd mich nach 2 h galant verziehen, da ich mir sonst nur wieder anhören muss, wie MITLEIDIG sie sind, weil ich keinen Alk trinken kann/darf.

Was ist eigentlich los mit unserer Welt?
Nichts gegen ein Glass des Genusses, aber diese Mentalität ist nur noch schlimm.
Vor allem die Intoleranz der Alkoholkonsumierenden Menschen gegenüber den "Nüchternen"...
Sorry, das ist ein Punkt, wo ich wirklich sehr zum Streiten anfangen könnte.
Ich red mich momentan ebenfalls gern mit dem Fahren raus, denn wenn ich versuche zu erklären, dass Alkohol der absolute Tod für meine Muskeln darstellt, oder ich das Gesöff einfach auch als... eklig, widerlich, dreckig, schmutzig empfinde, schaltet bei denen schon wieder das Gehirn ab.
« Last Edit: August 26, 2012, 08:41:22 am by Aura7 »

Offline Metaphor

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Re: "Anti-Alkoholiker sind Weicheier" ?
« Reply #50 on: August 26, 2012, 02:59:11 am »
Offtopic, @Aura7:

Also das hat jetzt inhaltlich nichts mit dieser Diskussion zu tun, aber mich fasziniert augenblicklich der Begriff "Furtgeh". :D Verwendet man das als Substantiv, und wie benutzt man es in einem Satz? Irgendwie klingt das gelesen süß. :D /Offtopic

Und ja, irgendwann gestaltet sich Herausreden/Ausführungen-Einschränken als angenehm einfacher. Vor allem, wenn man sich mit der Zeit eine Liste an Norm-Aktivitäten, die man *nicht* tut, anhäuft:
Keinen Alkohol, keinen Kaffee, keine Zigaretten, kein Autofahren, kein Werder Bremen, kein Essen xy, etc ... dann kommen noch ein oder zwei eigene krankheitliche Verbindungen dazu, und schon erklärt und rechtfertigt man sich unwillentlich. *Augen roll*
Eine Weile habe ich das alles hübsch nebeneinander aufgereiht gleich zu Anfang einmal erzählt, um's abgehakt zu haben, wenn's im Umgang mit den Leuten irgendwie entfernt relevant war. Man sichert sich damit aber praktisch von vornherein eine komische Außenseiter-/"Besondere Ansprüche"-Position. Auch blöd ist es, wenn einem jemand Wein anbietet, und man sagt "Nein, vielen Dank", worauf dann ein Bier-Angebot folgt, und dann ein Orangensaft-Angebot. Ich trinke Orangensaft genau so wenig wie Bier oder Wein, (und Mineralwasser mit Kohlensäure ist eher etwas, das ich nur in Notsituationen ertrage, wenn ich's mir aussuchen kann). :lol: Schade, dass gleich nach Tee fragen dem Anbieter zusätzliche Umstände aufbürdet, sonst würde ich von vornherein das machen. "Hallo, schön, Sie zu treffen, haben Sie Tee?". ;D
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Offline Aura7

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Re: "Anti-Alkoholiker sind Weicheier" ?
« Reply #51 on: August 26, 2012, 08:43:53 am »
Furtgeh... Ich würd mal behaupten typisch bayerisch  :D Wie heißt das eigentlich im Rest von Deutschland? Weggehen?
I geh furt. Mogst Furt geh? Furtgeh is doch (x beliebiges Wort einsetzen). Wo ma gestan wieda furt?
Und so weiter und so furt. Fort.

Offline Metaphor

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Re: "Anti-Alkoholiker sind Weicheier" ?
« Reply #52 on: August 31, 2012, 03:46:07 am »
Furtgeh... Ich würd mal behaupten typisch bayerisch  :D Wie heißt das eigentlich im Rest von Deutschland? Weggehen?
I geh furt. Mogst Furt geh? Furtgeh is doch (x beliebiges Wort einsetzen). Wo ma gestan wieda furt?
Und so weiter und so furt. Fort.
:lol: Äußerst amüsant. Ja, wie man das allgemeinhin so nennt, ist eigentlich eine gute Frage. Ausgehen/weggehen/"was machen"? :lol: Ich glaube, weggehen ist das gebräuchlichste, oder?
Wenn ich so darüber nachdenke, bin ich mir nicht wirklich irgendwie dessen bewusst, überhaupt so ein Wort häufig dafür zu verwenden. Vielleicht gehe ich einfach zu selten weg, oder zu zielgerichtet. xD 
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