Author Topic: Migration und Integration  (Read 6637 times)

Offline Cylorie

  • Mumin
  • Striped Stocking
  • *****
  • Posts: 526
    • Tumblaaaahhh
Migration und Integration
« on: September 08, 2010, 08:48:20 pm »
Sarrazins Buch, "Deutschland schafft sich ab", hat die Diskussion zur Einwanderungspolitik und zur Integration neu entfacht.
Ich will diesen Thread nicht nur auf Sarrazins Thesen beziehen, sondern auf das Thema allgemein.
Glaubt ihr, dass die Einwanderungspolitik verschärft werden sollte?
Sind die Migranten in Deutschland ausreichend integriert?
Was haltet ihr von der These "Deutschland schafft sich ab"?

Offline Sleepwalker

  • Inmate
  • ******
  • Posts: 1620
    • meine Facebook-Fan-Seite
Migration und Integration
« Reply #1 on: September 08, 2010, 10:31:14 pm »
da ich das Buch nicht gelesen habe gebe ich dazu mal keine Meinung ab. Was Migration angeht: ich wär auch gern wo anders. Was Integration angeht: ich würde gern eine Statistik sehen, wieviele Menschen mit Migrationshintergrund sich nicht Integrieren wollen und wieviele geborene Deutsche sich nicht integrieren wollen. Das Thema füllt ein verspätetes Sommerloch und gibt lediglich Raum für unüberlegte und großkotzige Aussagen von Leuten, die am liebsten vor 70 Jahren gelebt hätten oder vergessen haben, was da eigentlich war.
Alles, was nichts mit Elefanten zutun hat, ist irrelefant!

Offline Tom

  • "The most tender thing you've said to me, is that I suffer from paranoia."
  • Plague Rat
  • ******
  • Posts: 709
  • "Let's pretend, happy end."
Migration und Integration
« Reply #2 on: September 08, 2010, 11:12:00 pm »
Ja, mit der Diskussion wird von den momentan eigentlich wichtigen Themen der Politik in Deutschland abgelenkt.
Leider hat die Regierung zuletzt wohl genug Unfähigkeit an den Tag gelegt, von der es abzulenken gilt...

Offline Rayk

  • Administrator
  • Inmate
  • ******
  • Posts: 2422
    • Are You Suffering?
Migration und Integration
« Reply #3 on: September 08, 2010, 11:46:28 pm »
Was haltet ihr von der These "Deutschland schafft sich ab"?
Schön wär's, glaube ich aber nicht dran. "Traditionen" sind in den meisten Fällen fadenscheinige Entschuldigungen für schlechte Angewohnheiten und "Kultur" lebt davon, dass sie sich entwickelt. Welt ohne Grenzen wäre eine feine Sache - wenn jemand seine Heimat verlässt, gibt es dafür iaR gute Gründe, also sollte er dort, wo er hingeht, auch willkommen sein.
« Last Edit: September 09, 2010, 12:12:27 am by Rayk »

Offline Sh|va

  • The Pirate Cap'n
  • Plague Rat
  • ******
  • Posts: 1216
Migration und Integration
« Reply #4 on: September 09, 2010, 09:10:04 am »
ich würde gern eine Statistik sehen, wieviele Menschen mit Migrationshintergrund sich nicht Integrieren wollen und wieviele geborene Deutsche sich nicht integrieren wollen.

Da stimme ich vollkommen zu. Es gibt viele Migranten, die "deutscher" sind als manch "Einheimischer". Und das ist ok. Ich mein, ich kann auch verstehen, dass viele sich nicht richtig integrieren können (und irgendwann dann auch nicht mehr wollen), weil da teilweise echt die Förderung fehlt (bzw. nicht gut genug funktioniert/ausgearbeitet ist). Zumindest von dem, was ich so weiß.

Frech find ich aber zu sagen (habe das Buch auch nicht gelesen, aber es war eine TV-Aussage bezogen auf das Buch), dass die Muslime alle dumm sind, weil dort innerhalb von Familien verheiratet wird und DUmmheit somit vererbt werden würde. Ich kenne mindestens genauso viele "dumme" deutsche. Sicherlich hat es was mit dem Umfeld zu tun in dem man aufwächst (frühe Förderung beim Lernen und so), aber definitiv hat das keinen genetischen Hintergrund.


Also ich bin auch der Meinung, dass die "Politik" da nur mal wieder etwas gesprächsstoff schaffen wollte, weil ja sonst nix los ist.

Offline Missy

  • Scrumpet
  • ****
  • Posts: 433
Migration und Integration
« Reply #5 on: September 09, 2010, 10:35:24 am »
Hier für die Interessierten eine meiner Meinung nach sehr gute Zusammenfassung von Sarrazins Thesen, vielleicht auch als Anregung für diese Diskussion:

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,714082,00.html

"'Man kann nicht allen helfen', sagt der Engherzige - und hilft keinem."

Offline Poppie

  • Frl. Arschloch - cocky by nature
  • Beyond Remedy
  • ******
  • Posts: 4469
  • If you're happy and you know it, slit your wrists
    • Klick mich, ich bin ein verwunschenes Schokoladentaefelchen.
Migration und Integration
« Reply #6 on: September 09, 2010, 03:00:04 pm »
Quote
dass die Muslime alle dumm sind, weil dort innerhalb von Familien verheiratet wird und DUmmheit somit vererbt werden würde. Ich kenne mindestens genauso viele "dumme" deutsche. Sicherlich hat es was mit dem Umfeld zu tun in dem man aufwächst (frühe Förderung beim Lernen und so), aber definitiv hat das keinen genetischen Hintergrund.

Japp, das sehe ich genauso. Das ist blabla und absoluter scheiß. Wenn man sich das mal anschaut, wieviele Ehen heutzutage auch gemischt stattfinden, zwischen deutschen und muslimen, finde ich das auch ziemlich daneben soetwas zu behaupten.
Wenn klein Ali trotzdem zum Schwerverbrecher wird, obwohl Mutter Schackeline ihn aber immer in den Hinterhof des Hochhauskomplexes zum spielen mit Kevin und Mario geschickt hat, die in seiner Klasse auf der Hauptschule sind ...
Dass die meisten Kiddies heute scheiße bauen, weil ihnen langweilig ist und sie nichts anderes zu tun haben, ist nicht unbekannt und so unterschiedlich ist die Zahl zwischen deutschen und Migranten auch nicht, als das man sagen könnte: Es sind immer nur die Ausländer..
Da tun sich wohl beide Seiten nix.
Meds or Madness?
________________________________


Offline Cylorie

  • Mumin
  • Striped Stocking
  • *****
  • Posts: 526
    • Tumblaaaahhh
Migration und Integration
« Reply #7 on: September 09, 2010, 07:27:02 pm »
Hier für die Interessierten eine meiner Meinung nach sehr gute Zusammenfassung von Sarrazins Thesen, vielleicht auch als Anregung für diese Diskussion:

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,714082,00.html



Viele Dank für den Link.

Ich muss wirklich sagen, dass mir ei Stein vom Herzen gefallen ist als ich eure Beiträge gelesen habe. Seit dieser ganzen Sarrazin geschichte muss ich mich als jmd. mit Migrationshintergrund mit irgendwelchen Idioten rumschlagen, die Sarrazins Thesen zu Anlass nehmen mal ein bisschen rassitisch zu sein.
Es gibt mir sehr zu denken, dass anscheinend so viele im stillen genau das gedacht haben, was Sarrazin ausgesprochen hat und das schockiert mich!

Offline Lilly

  • Striped Stocking
  • *****
  • Posts: 518
  • Pegasus - Bändigerin
Migration und Integration
« Reply #8 on: September 09, 2010, 07:56:09 pm »
Ich habe das Buch auch nicht gelesen. Aber der Bügermeisterwahlkampf für den heißgeliebten HC Strache in Wien dürfte ähnlich unbegreiflich sein. (Zitat eines Wahlplakats: "Mehr Mur für unser Wiener Blut! Zu viel Fremdes tut keinem gut")

Traurig, dass einige Menschen solche Aufhänger brauchen um sich irgendwie ins Gespräch zu bringen. Vielleicht wissen sie nicht was für einen Einfluss sie auf manche Menschen haben. Zumindest hoffe ich, dass sie das nicht wissen...

Offline Aenur

  • Ekel Alfred
  • Bloody Crumpet
  • ***
  • Posts: 219
Migration und Integration
« Reply #9 on: September 23, 2010, 08:16:27 pm »
Sarrazins Buch, "Deutschland schafft sich ab", hat
... die Aufmerksamkeit das es bekommen hat und teils noch bekommt überhaupt nicht verdient.
Es ist nichteinmal die Politik die sich so auf das Thema stürtzt - nicht dass es bei Gesundheitsreform, und Sparpaketen die aus der Unterschicht den letzten tropfen pressen nicht gelegen käme, nein es sind viel mehr die Leitmedien die diesen Volksdümmlichen Thesen eines Sozialrassisten zu eienr solchen Popularität verhelfen.
Beängstigend in diesem Zusammenhang ist es wie offen Sarazzin hier Rassenhygiene propagieren kann indem er schlicht nicht eugenisch sondern dysgenisch argumentiert.

Aber bevor auch ich darin verfalle mich über diesen Suppenkasper zu ereifern mal etwas anderes.
Einerseits sollten wir mal anerkenen das wir tatsächlich ein Problem mit der Integration haben, welches wir als Zielland nicht gütlich lösen können und zudem sollte man erkennen dass es kein argument ist dass es dumme deutsche genauso wie dumme Migranten gibt. Genauso ist es uninteressant dass es Migrantnegibt die klüger als manch ein Deutscher ist. Das land aus dem ich komme hat reichlich wenig mit meiner Intelligenz zu tun. Mensch ist Mensch.

Wir haben ein Problem mit Migration, ja. Einerseits ist die Immigration nahezu unreguliert wenn man es mit anderen Ländner vergleicht die auf einem ähnlichen Stand sind. Essentiel dabei ist für mich die Sprache. Muss ich mich wirklich fragen was unser Staat bei der Einwanderungspolitik versäumt hat wenn Leute zwar hier leben wollen - und dprfen - aber kein Interesse daran haben die Landessprache zu lernen ? Und hier sind wir wirklich bei einem Sachverhalt angelangt der nicht dramatisiert wird und aus einem Fall in den Schmieblättern gleich eintausend werden, wie es z.B bei "Sozialschmarotzern" der Fall ist. Und der Staat macht hier tatsächlich einen Fehler, denn er lässt es zu. Wer die Landessprache nicht zu lernen bereit ist, derjenige ist tatsächlich nicht gewillt sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Auch kann keineswegs von "Assimilation" die rede sein wenn man Sprachkenntnisse vorraussetzt. Selbst im liberalen Dänemark hat man exakt 0 Chance die Staatsbürgerschaft zu erlangen wenn man nicht die nötigen Sprachkenntnissei n einem bestimmten Zeitraum erworben hat.

Desweiteren haben wir auch tatsächlich ein Problem mit einer Parallelgesellschaft, welche nicht erst am Entstehen ist sondern vielerorts schon etabliert ist.
Und nein ich rede nicht von sozialschwachen die es mmmööglicherweise ?!? schwer haben Anschluss zu finden sondenr von der Personengruppe die ar kein INteresse daran hat teil unserer Gesellschaft zu werden. Diejenigen die Hier ihre Gesellschaft von zuhause 1:1 haben möchten, und das nach Möglichkeit auch ohne deutsche Einflüsse und Einmischungen - Familienangelegenheit, ihr versteht ? Wofür muss es Türkische Parteien in Deutschland geben ( nein ! welche die Politik in der Türkei machen, nicht hier), braucht es wirklich ein dichtes netz an Einrichtungen des Türkischen Religionsministeriums, das hier ganzerheblich Meinungsbildend in Aktion tritt ?
Es gibt sicherlich einige Stellen an denen man als Deutscher(Staat) noch feilen kann damit es für diejenigen die wollen einfacher wird. Da ist ordentlich Platz für Verbesserungen. Aber darüber darf man auch cniht die Augen davor verschließen dass anderenorts Zustände herrschen bie denen man sagen müsste "So nicht" und ganz entschlossen gegen vorgehen müsste.

Mal Zahlen die wirklich besorgnis erwecken sollten: 2009 hatten wir zum ersten mal mehr Auswanderer in die Türkei als Einwanderer aus der Türkei. Die Stinr sollte man in Falten legen wenn man sich betrachtet werde da denn geht ! Leute die hier integriert gelebt haben, Hochschulabsolventen und Fachkräfte zieht es wieder in ihre Heimat, die dort mit offenen Armen empfangen werden und sicherlich wieder zu einem vernünftigen Lebensstandard kommen. Also genau diejenigen die wir gerne hier behalten würden hält es hier nicht.  Das ist auf dauer ndann doch ungesund wenn man als Immigrationsziel nur für diejenigen attraktiv ist die Gewinn aus dem Sozialstaat ziehen können, da dieser ihnen hier ein besseres Leben als zuhause ermöglicht.


Also, auch wenn Thilo Sarrazin ein Populist, Demagoge, Sozialrassist und Suppenkasper ist, der auf 400 Seiten unsinnige und unhaltbare Thesen aufgestellt hat die von seiner eigenen kognitiven Beschränktheit zeugen, so sollte man sich trotzdem nicht in seinem angebohrenen "ich bin ein deutscher  und immer Schuld" Komplex baden. Tatsächlich stellen wir uns bei einigen dingen notorisch blöd an und machen es damit Migranten unnötig schwer, aber an vieeel zu vielen stellen sind wir eifnach viel zu sehr Gutmensch und lassen uns bereitwillig ausnutzen.

PS:
@Shiva: Unsinn ! Intelligenz hat natürlich eine erbliche Komponente. Die Erbkomponente bei der Varianz der Intelligenz macht zwischen 40%-60% aus (achtung die Varianz, nicht die Intelligenz an sich).
@ Sleepwalker: " und wieviele geborene Deutsche sich nicht integrieren wollen." WTF ? Man mag ja über einige mitglieder unserer Gesellschaft und deren "nützlichkeit" streiten...aber ein Deutscher muss sich nciht in die deutsche Gesellschaft integrieren, er ist gebürtig ein Teil von ihr....wenn auch nciht zwangsweise ein besonders toller.

lg
Aenur der eben kein Gutmensch ist.
Im Zweifelsfall p = ü

Offline Sleepwalker

  • Inmate
  • ******
  • Posts: 1620
    • meine Facebook-Fan-Seite
Migration und Integration
« Reply #10 on: September 24, 2010, 11:50:24 am »
die welt ist für alle da, deutschland hat sich für die Globalisierung in die ruder geworfen, dann müssen wir auch mit den konsequenzen nicht nur leben sondern auch arbeiten. Das Problem sind dabei (meiner Meinung nach) nicht die Migranten, sondern die unsinnigen wohlfahrts- und sozialstaatlichen Ziele und Produkte, man spart erbärmlich an Bildungs- und Förderungsstätten und verfolgt zusätzlich eine antiquierte, unaktivierende Arbeitsmarktpolitik. Hier laufen ganz andere Sachen falsch, als dass wir ausländischen Mitbürgern zu viele Freiheiten lassen, die sie freilich auch dankend nutzen. Und zu den integrierungs-unmotiverten Deutschen: klar muss sich ein deutscher in die deutsche Gesellschaft integrieren, ebenso wie jeder andere es sollte. Wieso denn auch nicht? Nur weil er von geburt an einen deutschen Pass beantragen kann, heißt es nicht, dass er automatisch ein Mitglied dieser Gesellschaft ist.
Insgesamt häng ich mich mal weit aus dem fenster und schätze einfach mal darauf los, dass es wahrscheinlich viel mehr Integrationswillige als -unwillige gibt. Selbes Thema bei Hartz-IV-Empfängern, auf die RTL-Darstellungen würde ich mich nicht verlassen und wäre sehr vorsichtig mit allumfassenden Typisierungen. Das Thema wird für mich am falschen Ende angepackt und angeprangert.
Alles, was nichts mit Elefanten zutun hat, ist irrelefant!

Offline Poppie

  • Frl. Arschloch - cocky by nature
  • Beyond Remedy
  • ******
  • Posts: 4469
  • If you're happy and you know it, slit your wrists
    • Klick mich, ich bin ein verwunschenes Schokoladentaefelchen.
Migration und Integration
« Reply #11 on: September 24, 2010, 02:28:12 pm »
Quote
(...) Selbes Thema bei Hartz-IV-Empfängern, auf die RTL-Darstellungen würde ich mich nicht verlassen und wäre sehr vorsichtig mit allumfassenden Typisierungen. (...)

Ist wahrlich was dran. Das was u.a RTL so wunderbar zeigt, heißt ja nun auch nicht, dass es die Regel sein muss. Es gibt, wie immer, die einen und die anderen, da aber zu 80% nur die eine Seite gezeigt, welche auch die meistens unschönere ist, dürfte es nicht verwundern, wenn Menschen Vorurteile gegen z.b Hartz IV'ler haben. Das gilt jedoch auch für alle anderen Bereiche, die einem dazu einfallen.
Meds or Madness?
________________________________


Offline Saorin

  • Crumpet
  • **
  • Posts: 37
Migration und Integration
« Reply #12 on: October 06, 2010, 06:33:29 pm »
Also ich bin absolut dafür, dass jeder dahin gehen und dort leben soll, wo er möchte. Das ist eine Freiheit, die es auch zu bewahren gilt, finde ich.
Man muss natürlich auch erstmal sagen, dass es unsinnig ist, alle Migranten in einen Topf zu werfen, aber das setzen wir denke ich mal alle hier voraus.

Problematisch ist natürlich einerseits, was die Politik macht und was nicht, siehe Förderung, Bildung usw. Aber ich finde nicht, dass man (allen) Migranten jegliches Zutun an der Situation absprechen kann.
Ja, nur dumm, dass wir halt Deutsche sind und eine nicht besonders glorreiche Vergangenheit vorweisen können, auf die sicher keiner stolz ist. Trotzdem ist das für mich ein Unding, dass Deutschland immer noch oft darauf reduziert wird. Wird mal hier in irgendeiner Weise Kritik an Migranten geäußert, dann wird Deutschland direkt wieder als rassistisch und was-weiß-ich-noch dargestellt. Und deshalb traut sich auch schon keiner mehr, seine Meinung dazu zu äußern.
Ganz ehrlich, Deutschland ist saumäßig liberal, allein z.B. wieviele Moscheen hier gebaut werden.(Hab ich nichts gegen, ist jetzt nur ne Tatsachenbeobachtung!) Das wäre in sovielen anderen Ländern absolut undenkbar  - und da kloppt keiner direkt drauf!

Es gibt solche und solche Migranten. Ich hab ne Freundin, die is türkischer Abstammung, aber das "sehe" ich gar nicht...die ist genauso ein NRWler Kind wie ich, liebt Karneval :D macht aber trotzdem noch oft Ferien bei ihren Großeltern in der Türkei usw. Sie studiert mit mir und hat n super Abi gemacht.
Also, ja, natürlich gibt es die einen und die anderen. Und ich denke, das hält sich sogar in etwa die Waage, wie es eben bei Deutschen auch ist.
Aber negativ Auffallende nimmt man eben deutlicher wahr. Und ganz ehrlich, ich hab soviele Reportagen gesehen und lebe selbt in einer Stadt, in der die Quote der türkischen Einwohner wirklich unheimlich hoch (!) ist, ich weiß, wovon ich rede, wenn ich sage, dass es genug Leute gibt, die einfach keinen Bock haben, sich die Mühe zu machen, sich zu integrieren. Und das wird dann noch dadurch verstärkt, dass es keinen Anreiz gibt: es gibt hier bei mir z.B. genug Viertel, die fast rein türkisch sind, ja wenn die alle türkisch sprechen, warum sollte ichs dann lernen? Und theoretisch muss ja noch nichtmal gearbeitet werden, das Geld kriegt man ja auch so. (Das schließt natürlich nicht aus, dass es genug Deutsche gibt, die für die Gesellschaft so nützlich sind wie Fußpilz.)
Ich finds einfach superproblematisch, wenn dann sogar noch diese Rechtsansichten von vor 1000 Jahren hier rübergebracht werden - siehe nur Ehrenmorde, das ist die abartigste Weltanschauung, die es gibt, und sie wird immer noch von vielen geteilt! Und sogar HIER durchgeführt. HALLO?!

Meine Mutter unterrichtet an einem Gymnasium hier bei uns in der Stadt. Quote der Türken: also 40 % bestimmt. Und wieviele von denen im Unterricht türkisch sprechen erst! Sorry, aber sowas kann und will ich gar nicht tolerieren...Irgendwo is auch einfach mal n Schlussstrich nötig und das hat nichts damit zu tun, dass ich rassistisch wäre oder was...denn das bin ich um Gottes Willen nun mal gar nicht.

Und bei allem Liberalismus: wer hier lebt, muss zumindest Deutsch sprechen können. Was ich absolut NICHT gutheiße, sind diese reinen Türken-Viertel, in denen alle Läden ihre Werbung und Schilder auf türkisch haben und so. Das ist ne Parallelgesellschaft, die weder den Türken (noch weniger Ansporn, sich zu integrieren), noch den Deutschen (fühlen sich einfach nicht mehr heimisch in ihrem Heimatland) hilft.
Die Ursachen liegen da selbstverständlich wieder an verschiedenen Stellen. Als man sich damals Gastarbeiter für die Drecksarbeit geholt hat, hats eben keinen interessiert, wieviel Deutsch die können und alle in die gleichen Wohngegenden gesteckt.
Aber dann muss man das zumindest jetzt irgendwie angehen, das Problem.

Trotz aller Kritik ist es ja aber doch trotzdem möglich, harmonisch zu leben. Aber Schritte in die richtige Richtung müssen eben von beiden Seiten gemacht werden. Hier gibt es meiner Meinung nach keine "Opfer" und "Täter".
Aber wie gut die Integration wirklich klappt, lässt sich doch an so schönen Beispielen wie das Deutschland - Türkei Fußball am Freitag (?) sehen.
Da das Spiel in Berlin stattfindet, ist es sogar wahrscheinlich, dass mehr türkischstämmige Zuschauer da sein werden. So what? Ist zwar ehrlich gesagt (und das ist nicht abwertend gemeint) schon ein wenig komisch, aber wenn das alles in gesitteten und kameradschaftlichen Bahnen abläuft: umso besser und ein super Vorzeigeobjekt für friedliches Zusammenleben.
Im Übrigen schönes Beispiel: deutsche Nationalmannschaft. 50% von denen (oder so, schätze das Mal =D) haben Migrationshintergrund, und da haben nun wirklich die wenigstens was zu meckern. Allein Özil, kommt quasi direkt aus meiner Nachbarschaft :D und hat sich meiner Meinung nach ne ganz gute Balance der Kulturen erarbeitet (für mein außenstehendes Auge zumindest :) ), ist z.B. während der WM regelmäßig in die Moschee gegangen, scheint aber andererseits n gutes Ruhrpottkind zu sein, während er von sich selbst sagt, für ihn hätte sich nie die Frage gestellt, ob er statt zur deutschen zur türkischen Nationalelf geht.
« Last Edit: October 06, 2010, 06:49:39 pm by Saorin »
"Life is what happens to you while you're busy making other plans."
(John Lennon)

Offline Rayk

  • Administrator
  • Inmate
  • ******
  • Posts: 2422
    • Are You Suffering?
Migration und Integration
« Reply #13 on: October 20, 2010, 04:05:37 pm »


Offline Saorin

  • Crumpet
  • **
  • Posts: 37
Migration und Integration
« Reply #14 on: October 21, 2010, 05:07:45 pm »
Mh...ich möchte da vllt nur mal einwerfen, dass das Kopftuch in der Türkei in öffentlichen Gebäuden verboten ist...und nu? Wollen die da auch "das Fremde" verbieten? Da ist doch offenbar aber auch ein Gedanke hinter.
Aus gewissen Kreisen wird das natürlich auch kritisiert, aber so ist die Lage zunächst mal. (Ja, Erdogan will das Gesetz ganz kippen und in Universitäten oder Hochschulen ist es glaub ich vor Kurzem so gekommen, dass das Verbot zwar bestehen bleibt, aber es keine Strafe mehr gibt. Das ist aber (noch) nicht die Regel.)

Und wer ist das Feindbild von Erdogan? Deutsche, die Türken in Deutschland "assimilieren" wollen. Warum wird das verschwiegen? Das sind doch keine rein deutschen Merkmale, sondern Bilder, die sich aus widersprüchlichen Interessen ergeben und somit in jeder Gesellschafts(unter)gruppe vorkommen. Ja, Feindbilder sind falsch. Aber das geht auch nicht nur von einer Seite aus und ist meistens weniger rational als emotional.

Möchte dazu nur sagen, dass für mich Kreuze genauso wenig in Schulen (bspw) gehören wie Kopftücher bei Lehrerinnen! Ich finde einfach, das gehört getrennt, und deswegen sollte jedes Symbol von Glauben auf seiten der Schule/Lehrkräfte raus. Genauso wie Lehrer keine politischen Ansichten zur Schau tragen sollten, à la SPD-Tasse auf dem Pult (ja, das war bei einem meiner Lehrer tatsächlich so).
Das Kopftuch hat eben den Anstoß dafür gegeben, dass es so in den Blickpunkt geraten ist, weil es für unsere Gesellschaft ungewohnt war.

Wo Kopftücher ansonsten getragen werden ist mir gleich. :) Glaubensfreiheit eben. Wenn die im Rahmen anderer Gesetze bleibt, ist ja auch alles in Ordnung, we es mit beinah allen Grundrechten ist. Beispielsweise sind in Gerichten Kopfbedeckungen verboten, für Kopftücher gibt es Ausnahmen, wenn ich mich nicht irre. Aber da es hier ja als Glaubenssymbol statt als bloße Kopfbedeckung steht, dann macht mir das nix, auch wenn's faktisch ne Ungleichbehandlung ist. Aber gerechtfertigt, weil es da aus meiner Sicht nicht einen entsprechend großen Nachteil gibt.

Ich muss es ja nich gut finden, auf mich macht es eben den Unterdrückungseindruck, aber ob es so ist, ist nicht meine Entscheidung. Das hindert mich aber auch nicht daran, es zu tolerieren. Aber eben in Abwägung mit anderen Dingen. Kein Recht ist unbegrenzt sondern muss sich mit anderen ausgleichen. Tragen soll jeder, was er will - mit Betonung aber auch auf "will". Ich kann auch nicht ganz glauben, dass alle kopftuchtragenden Musliminnen das aus ihren eigenen Überzeugungen heraus machen.
Aber das kann ich nicht beurteilen und selbstverständlich nicht belegen. Nur mein subjektiver Eindruck davon.

Und natürlich ist es 1000x wichtiger und notwendiger, die NPD loszuwerden...leider sind die rechtlichen Rahmenbedingungen da tatsächlich beschissen verquer...Was wirklich nicht okay ist. Faschismus ist ja auch verfassungsrechtlich verboten, problematisch sind nur die Lücken, durch die die NPD immer schlüpft und das ist wirklich mehr als bloß "ärgerlich".
"Life is what happens to you while you're busy making other plans."
(John Lennon)