Author Topic: Armut in Deutschland?  (Read 3994 times)

Offline Poppie

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Armut in Deutschland?
« on: October 21, 2008, 03:10:12 pm »
Da will ich doch auch mal mit einem Thema aufwarten ^^
Gehört hats schon jeder: Armut in Deutschland.
"Es gibt nur noch Arm und Reich, den Mittelstand gibt es nicht mehr."
Das liest man ziemlich oft.
Ich für meinen Teil bin so ziemlich der selben Meinung, allerdings weiß ich, dass es den Mittelstand noch gibt, nur dass er langsam abrutscht.
Doch was ist arm? Und wer ist reich? Ab wann sind für euch Menschen arm? Wer sollte mehr Geld verdienen/bekommen und wer nicht? Was ist mit der Reichensteuer? Sinnvoll? Wie sieht es bei euch selbst aus? Arm? Reich? Mittelstand? Wo seht ihr euch und was ist für euch ideal?

Ich wohne in meiner kleinen Stadt direkt im Zentrum und sehe jeden Tag Menschen die nicht viel haben. Allerdings, das was sie haben in absolut unnötige Güter wie Alkohol und Zigarretten investieren. (Natürlich sidn manche auch Suchtkrank, aber darum gehts ja nun nicht).
Ich selbst schwimme nun auch nicht im Geld, aber wer tut das schon ^^ Dennoch schaffe ich es auch mit einem ziemlich knappen Buget den Monat durchzustehen, auch wenns manchmal brennzlig wird.
Obdachlose sehe ich in meiner Stadt sehr wenige. In Nachbarstädten wie Essen schon bedeutend mehr. Das diese Menschen nicht nur arm, sondern auch arm dran sind, steht wohl ausser Frage, wobei es ja bei denen auch jene gibt, dies selbst verschuldet haben.
Wenn ein Mensch sich nicht mal mehr die Güter zum täglichen gebrauch leisten kann, sei es etwas frisches zu essen, mal etwas süßes oder einen Pullover zum Winter hin, weil er nicht genügend Geld hat/bekommt/verdient sehe ich das als Armut an. Gerade wenn Kinder darunter leiden müssen.
Auf der anderen Seite wiederrum gibt es die, die bei Edeka zweimal die Woche für 100 Euro einkaufen, während bei Aldi nebenan die Mutter von zwei Kindern mit jedem cent rechnen muss.
EIn neues Auto? Klar, warum nicht.
Mal "eben" drei Wochen in den Urlaub? Kein großes Problem.
Ed Hardy und andere Marken/Designer Klamotten für die Kinder? Was anderes kommt nicht in den Schrank.
Der angesprochene Mittelstand, der abzurutschen droht ist in meinen Augen jener: Menschen die genug haben um noch gut zu leben, aber größere Anschaffungen sind keinesfalls drin. Die meisten Mittelständler kenne ich, die z.b noch ihr Haus abbezahlen.

Ich finde, das sich unsere liebe Regierung nicht genügend bemüht und um die kümmert, die es einfach nötiger haben.
Ich rede jetzt nicht von den Sozialschmarotzern, die sich n schönes Leben auf Staatskosten machen. Nur um das mal Klar u stellen ;)

Selbst sehe ich mich durch glückliche Fügung nicht als Arm, dennoch an der Armutsgrenze lebend. Nicht in Sack und Asche, aber wären gewisse Umstände nicht, dann wäre es so und nichteinmal Telefon und Internet wären drin.

Reich sein will natürlich jeder *gg*
Aber ein gesundes Mittelmaß fände ich für mich passend. So, dass alles gut bezahlbar ist, ich gut leben kann, aber trotzdem ein wenig daauf achten muss.
Aber ein Millionenerbe würde ich jetzt auch nicht ablehnen ;)
So, nun seid ihr dran ^^
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Offline Aiko

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Armut in Deutschland?
« Reply #1 on: October 22, 2008, 01:52:58 pm »
mh, ich weiß nicht so wirklich, was du jetzt von uns hören willst.

Wir wissen aus statistischen Daten, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergeht und in der Mitte weniger bleibt.
Wir wissen, dass trotzdem die Arbeitslosigkeit (noch) abnimmt, allerdings wissen wir auch, dass es wesentlich mehr Geringeverdiener gibt als früher, also arbeitende Leute, die trotzdem auf Zuschüsse vom Staat angewiesen sind (die aber nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auftauchen, womit die eigentlich Aussage dieser Statistik (z.B. wer ist potenziell von Armut bedroht) ad absurdum geführt wird)
Also ja, der Mittelstand scheint, laut Statistik, wirklich zu schwinden.

Was die Gründe dazu angeht... das ist extrem vielfältig und nicht mit 2 oder 3 der üblichen Stammtisch-Sprüche aufzuklären.
Wir haben eine Informationgesellschaft, die immer mehr hochqualifizierte Menschen benötigt, aber keine einfachen Arbeiter.
Das gleiche gilt für den technischen Fortschritt, durch den immer mehr Personal eingespart werden kann.
Unser Bildungssystem ist aber nicht gerade dazu in der Lage mehr Leute hochwertig auszubilden (inkl. Studium).
Ich denke, diese 3 Punkte machen einen Problemkomplex aus, warum immer mehr Menschen nicht mehr selbst genug zum leben verdienen können.

Natürlich kommen dann auch persönliche Defizite dazu. Wir werden nicht darum herum kommen uns immer fortzubilden. Nichtmehr schule - arbeit - rente, sondern schule - arbeit + immer wieder Fortbildung - rente
Natürlich kann man auch das Konsumverhalten der Leute kritisieren. Wenn jemand am unteren Ende des Einkommens raucht wie ein schlot, bei Spar oder was anderem teuren einzukaufen, statt beim Aldi (auch rein finanzieller Sicht gesprochen) und im liebsten sich unbedingt 1x im Jahr meint Malle leisten zu müssen, dann gibts eben kein neues Auto, keine größere Wohnung, kein Theater. Als studi merke ich, dass man auch mit wenig geld noch auf gehobenem Standard zurechtkommen kann, auch wenn es manchmal wirklich ungeangenehm wird (ich leben bis Ende diesen Monats noch offiziell unter der Armutsgrenze, dann hab ich aber das erste Gehalt meines Studi-jobs und bin drüber ;)).

Ein weiterer Grund ist bestimmt auch die (okönomische) Globalisierung, durch die es für große Unternehmen leichter wird Standortvorteile (also gerade billige Arbeiter) auszunutzen. Ich wüsste aber nicht, wie man das verhindern soll, ohne eine Art Weltregierung, die wesentlich mehr ist also nur die UNO mit ihren paar Bestimmungsvollmachten und den USA im Nacken)

Dass unsere Regierung zuwenig tut, finde ich nicht. Es sagt sich immer so leicht "Die Regierung, die Regierung!" und ja, da läuft auch ne Menge falsch, weil es eben auch nur Menschen sind, die dazu noch die Spielregeln ihres Systems Politik beachten müssen (die müssen ja nicht nur Gesetze bauen, sondern auch ihre Macht sichern und sich dafür leiderleider bei den Wählern anbiedern. Tja, der Preis der Demokratie ;)). Aber sobald dann mal mehr geld erhoben werden soll (sprich mehr steuern), um das laute "tu mehr, Regierung!" auch realisieren zu könne, dann gibts wieder Riesenaufstand und Staatsheuschrecken und Abwahl. Wuhu.
Ich bin der Meinung, die sollen erstmal die Staatsschulden abbauen, dann fließt auch nicht mehr so ein Riesenbatzen vom Staatseta in die Zinsen. Mit dem dann gesparten Geld kann man weiterrechnen. Aber wenn man 60 Jahre im Sozialstaat auf Bankkredit lebt, dann muss man irgendwann die Rechnung zahlen. Lieber jetzt als irgendwann, wenn der Schuldenberg noch größer ist und noch schwerer abzuzahlen.


Mh, mehr fällt mir gerade nicht ein, aber vollständigt ist das da oben auf keinen Fall, was die Gründe zum schwindenden Mittelstand und der Armut angeht.

Ach ja, bleibt noch festzuhalten, dass unsere 'Armen' im Vergleich mit dem Großteil der Weltbevölkerung auf verdammt hohem Niveau nach Hilfe krähen. Hier bekommt man eigentlich immer eine Wohnung, einen Fernseher und genug Geld, um zumindest eine Chance zu haben.
Probier das mal in Afrika (jaaaa, ich weiß, ein Totschlagargument, aber es sollte zumindest mal gefallen sein. Als versuchter Totschlag sozusagen. ;))

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Armut in Deutschland?
« Reply #2 on: October 22, 2008, 02:08:56 pm »
Dafür, dass du nicht wusstest, was du sagen sollst, is das aber ne Menge *grinsel*

Ja, ich denke auch, das ein kontinuierliches Fortbilden ganz wichtig ist. Egal ob nun mit Hochschulabschluss oder nicht. Wer nicht sein lebtag rumkrebsen will, muss was tun. Auch wenn das wohl bei sehr vielen noch nicht angekommen ist.
Aber nun... Gut Ding will wohl doch etwas Weile haben ;)

Nun, im vergleich zu anderen Teilen der Welt gehts Deutschland natürlich mehr als prima...
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Offline Fei Ling

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Armut in Deutschland?
« Reply #3 on: October 22, 2008, 08:13:06 pm »
Quote
Dass unsere Regierung zuwenig tut, finde ich nicht. Es sagt sich immer so leicht "Die Regierung, die Regierung!" und ja, da läuft auch ne Menge falsch, weil es eben auch nur Menschen sind, die dazu noch die Spielregeln ihres Systems Politik beachten müssen (die müssen ja nicht nur Gesetze bauen, sondern auch ihre Macht sichern und sich dafür leiderleider bei den Wählern anbiedern. Tja, der Preis der Demokratie ;)). Aber sobald dann mal mehr geld erhoben werden soll (sprich mehr steuern), um das laute "tu mehr, Regierung!" auch realisieren zu könne, dann gibts wieder Riesenaufstand und Staatsheuschrecken und Abwahl. Wuhu.

zu wenig, zu viel, das ist doch nicht die frage. die frage muss lauten, ob sie das, was sie machen richtig machen oder nicht (ist natürlich auch sehr subjektiv zu sehen, geb ich ja zu ;D )
man könnte ja das ganze anders anpacken.bsp bildung: hier wurden die studiengebühren abgeschafft (du erwähntest da das anbiedern an den wähler -das war sowas. ist mir aber egal, ich freu mich, die nichtmehr zahlen zu müssen). da wir jetzt eine neue regierung basteln müssen, reden die parteien, die sich die letzten paar jahre nur gezankt haben nun wieder um ne neue regierung aufzustellen (ja, ironie, wahrscheinlich dieselbe wie vor der neuwahl). ein punkt, den schwarz will: wiedereinführung der studiengebühren, weil es nicht sein kann/darf dass d,zusammengefasst, der steuerzahler das finanziert. vorweg: versteh ich nicht. ich dachte staatsaufgabe ist auch irgendwie bildung und darf man da schon steuergelder verwenden-....aber ich irrte scheinbar. gut, da zankt man sich, aber dann kauft man (schwarz-blau afair) ohne mit der wimper zu zucken um einige milliarden die zweifelhaften eurofighter (zweifelhaft weil: a) braucht ein unabhängiges land sowas? (ja, das ist österreich irgendwie so grundsätzlich noch) b) gäbe es nicht, wenns schon sein muss, ne kostengünstigere alternative? bzw c) sind die überhaupt gut, man hörte da ja schon von einigen technischen problemen) nein, huschpfusch wird das gekauft. die regierung macht immer viel, bloß aus meiner sicht nicht das "richtige". gut, eurofighter istn blödes bsp weil das keinerlei maßnahme ist, die für den mittelstand was nützen würde (na gut, aber sie schadet, behaupte ich mal). wenn man sich sowas sparen würde, wäre sehr sehr sehr viel geld zur verfügung (die eurofighter kommen mir heute besonders deswegen in den sinn, weil ich heute bei so nem teil vorbeigelatscht bin...ja, mitten in der stadt :D)


Quote
Ich bin der Meinung, die sollen erstmal die Staatsschulden abbauen, dann fließt auch nicht mehr so ein Riesenbatzen vom Staatseta in die Zinsen. Mit dem dann gesparten Geld kann man weiterrechnen. Aber wenn man 60 Jahre im Sozialstaat auf Bankkredit lebt, dann muss man irgendwann die Rechnung zahlen. Lieber jetzt als irgendwann, wenn der Schuldenberg noch größer ist und noch schwerer abzuzahlen.
hmhm, kommen mir vertraut vor die aussagen. zum einen vom ehemaligen finanzminister KHG, der uns immer was von nem nulldefizit vorfabulierte, das unter ihm erreicht worden sei, faktisch aber eh nie erreicht wurde :rolleyes:
zum anderen erinnert es mich an das geraunze diverser konservativer uä, die heute noch rumjammern, dass wir heute noch die schulden abzahlen, die Kreisky (Spö) angehäuft hat, bzw unter Kreisky angehäuft wurden.
aber der hat halt schulden gemacht, um sozialreformen, umfassende und sinnvolle, durchzusetzen.
seine einstellung (ich wette, dem einen oder anderen bereitet die aussage alpträume lol):  http://www.youtube.com/watch?v=kT7p3EEtcCg
ja, ich weiß, die zinsen und wir zahlen das heute noch und und und blablabla
(ich versteh den einwand aber natürlich schon)

Quote
Ja, ich denke auch, das ein kontinuierliches Fortbilden ganz wichtig ist.
wo ich grad bei Kreisky war: der hat vielen das mit der bildung erleichtert: abschaffung der studiengebühren (anm: natürlich nicht die aktuelle abschaffung gemeint), schülerfreifahrt, gratisschulbuchaktion etc.
zur erwähnten notwendigen fortbildung: ist halt nicht immer so leicht, nicht?
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,585099,00.html


Offline Aiko

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Armut in Deutschland?
« Reply #4 on: October 22, 2008, 09:45:12 pm »
@Fei Ling: Äh... wir sollten uns auf ein Land einigen. Ich hab über Dt. gesprochen. Was in Ösiland abgeht, dazu kann ich nix sagen und da würde ich auch kein Stück mitdiskutieren (weil keine ahnung). ;)

Offline Fei Ling

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Armut in Deutschland?
« Reply #5 on: October 23, 2008, 07:01:56 pm »
neinnein, das war nicht rein österreich bezogen. das mein ich allgemein und hab es lediglich unterlegt mit den aussagen zu österreich. aber gut, ich nehme zur kenntnisse, dass ich mich in dem thread nicht mehr an weiteren diskussionen beteiligen kann, da ich österreich bsp einbringe, und von D nur rudimentär ne ahnung hab

Offline Rayk

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Re: Armut in Deutschland?
« Reply #6 on: July 26, 2012, 11:47:05 am »
Ich wäre rein finanziell als Hartzi völlig zufrieden. Wie's mit Kindern wäre, kann ich schlecht beurteilen. (Ich füttere zwar 3 Katzen durch, aber die brauchen halt keine Klamotten, z.B.) Mit jedem Cent rechnen zu müssen, wäre für mich legitim, wenn's dann reicht.
« Last Edit: July 27, 2012, 06:19:28 pm by Rayk »